Aachen: Blick auf Facebooks Zukunft: Manager an der RWTH

Aachen: Blick auf Facebooks Zukunft: Manager an der RWTH

Wie er da auf dem Podium des RWTH-Hörsaals steht, ein schlanker junger Mann im Jeanshemd mit offenen Kragen, mit seinem Dreitagebart und dem millimeterkurzem Haarschnitt: Man könnte ihn fast für einen der Studenten halten, die ihm gegenüber auf den Stühlen sitzen. Doch Facebook-Manager Chris Cox dürfte einer der einflussreichsten Menschen dieses Planeten sein.

Auf einer Diskussionsveranstaltung mit Hochschulangehörigen gab er jetzt Einblicke in das Innenleben des weltgrößten Sozialen Netzwerks — und in das, was es für die Zukunft plant.

Cox, noch keine 35 Jahre alt und 2005 mit einem Bachelor-Abschluss von Facebook angeworben, leitet heute den Bereich Produkte, Design und Marketing. Was er mit der blau-weißen Webseite mit dem „F“ im Logo anstellt, beeinflusst unmittelbar das Leben von mittlerweile 1,7 Milliarden Menschen. Und geht es nach ihm, sind es bald noch eine Milliarde mehr. Von Cox stammt etwa der News Feed, der permanente Strom von Nachrichten und Statusmeldungen, der Facebook-Mitglieder Tag und Nacht in Bann hält.

Ein Angebot übrigens, das zu Beginn nicht auf einhellige Begeisterung der Nutzer stieß. „Wir haben es einfach um Mitternacht angeschaltet“, schilderte Cox. „Die Leute fanden es furchtbar.“ Daraus habe man gelernt.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Reischaltung des News Feed ist Facebook eine globale Macht mit Entwicklungsbüros überall auf dem Planeten. In denen entwickeln die Facebook-Ingenieure etwa Solarflugzeuge aus Karbonfaser, die kostenloses WLAN per Laserstrahl in weniger entwickelte Gebiete bringen.

„And we‘re hiring“, man suche noch Mitarbeiter, ergänzt er mit Blick auf sein Publikum aus akademischen Nachwuchskräften. Von dort wird im Anschluss, als die Studenten Cox Fragen stellen können, tatsächlich Interesse an Praktikumsplätzen laut.

Wie es der lockere Auftritt und das Format der Veranstaltung als informeller „Fireside Chat“, wörtlich: Kamingespräch, bereits ahnen lassen, ist der Vortrag von Cox kein Vortrag, sondern eher ein unterhaltsames Plaudern.

Auf Stichwort des mit angereisten Deutschland-Chefs der Facebook-Tochter Instagram, Heiko Hebig, erläutert Cox die drei großen Herausforderungen für die kommende Entwicklung des Netzwerks. Das seien erstens „Connectivity“, die Verbreitung und Verbesserung der Internetanbindung, zweitens Anwendungen für künstliche Intelligenz, etwa für Sehbehinderte, sowie drittens „Augmented Reality“ („Ergänzte Realität“, etwa Darstellungen mit eingeblendeten Zusatzinformationen) und Virtuelle Realität (vollständig künstlich erzeugte Welten). Virtuelle dreidimensionale 360-Grad-Videos etwa seien ein „großartiges Werkzeug“ für Nachrichtenreporter, schwärmt er.

In der zweiten halben Stunde dürfen die Zuhörer Fragen stellen. „Hat Facebook ein Ethik-Kommittee?“, will eine Ex-Studentin wissen. Ja, erklärt Cox, es gebe sogar eine ganze Reihe von Kommittees für ethische Fragen, besetzt mit international anerkannten Experten aus aller Welt. Man wisse um die Verantwortung, die das Netzwerk habe.

Ob etwas in der stürmischen Entwicklungsgeschichte von Facebook konstant geblieben sei, fragt ein Student. „Moving fast“, antwortet er: in schneller Bewegung bleiben. Der Mittdreißiger mit dem lässigen Hemd will die Welt auch in den nächsten Jahren weiter drehen.