Kerkrade: Blasmusik in allen möglichen Formen beim World Music Contest

Kerkrade: Blasmusik in allen möglichen Formen beim World Music Contest

Noch einmal werden mit prüfendem Blick die Stuhlreihen auf der Bühne gezählt, noch einmal wird die Fliege gerichtet und die Funktion des Mikrofons geprüft, bevor die Musiker der Bläserphilharmonie Aachen die Bühne betreten. Die Anspannung steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Wer denkt, dass es sich bei Blasmusik um ausgelassenes Tam-Tam und fröhliches Tätärä handelt, der irrt gewaltig. Bereits seit dem 6. Juli findet in Kerkrade der 19. World Music Contest (WMC) statt. Über den ganzen Monat hinweg, noch bis zum 30. Juli, gibt es Hunderte Shows und Konzerte rund um die Blasmusik. An den Wochenenden gibt es Wettstreite in verschiedenen Leistungsstufen.

Am Ende reicht es für den Tagessieg: Die Bläserphilharmonie Aachen auf der Bühne in der Rodahalle Kerkrade beim WMC. Werner Gulpers (kleines Bild) organisiert das Event, das alle vier Jahre stattfindet und 20 000 Musiker aus der ganzen Welt anlockt. Foto: Andreas Herrmann

Die Wettbewerbe sind nach Marsch-, Parade- und Showbands, nach Fanfaren- und Harmonieorchestern und den Brass-Bands unterteilt. Und beim Konzertwettbewerb in der Rodahalle in Kerkrade ist auch die Bläserphilharmonie Aachen dabei.

In einheitlichem Schwarz betreten die 87 Mitglieder des Aachener Orchesters die Bühne. Und sofort machen sich die Fans bemerkbar: Es gibt Applaus und vereinzelte Pfiffe. Unter der Leitung des Dirigenten Tobias Haussig spielen die Musiker insgesamt drei Stücke.

Die vierköpfige Jury mit dem Vorsitzenden und drei Mitgliedern benötigen während der Präsentation absolute Konzentration und ein feines, geschultes Gehör. Die höchste Punktzahl, die vergeben wird, sind 100 Punkte. Bewertet werden unter anderem die Klangqualität des Orchesters, die Technik der Musiker, aber auch Rhythmus oder Interpretation.

Kaum ertönt der erste Ton, ist von der Aufregung und Anspannung hinter der Bühne nichts mehr zu spüren. „Xerxes“ von John Macky, „The Unknown Journey“ von Philip Sparke sowie „Time For Outrage“ von Marco Pütz spielt das Aachener Orchester. Der erste Wettbewerbsauftritt der Bläserphilharmonie beim WMC ist geschafft.

Insgesamt nehmen an dem internationalen Wettbewerb über 20 000 Musiker aus 32 Ländern teil, darunter Japan, Südamerika, Kanada, Österreich, Polen, Deutschland oder Litauen. Für Organisator Werner Gulpers bedeutet das Event, das alle vier Jahre stattfindet, vor allem eins: jede Menge Arbeit. „Sobald das Festival abgeschlossen ist, beginnen wir wieder mit den Vorbereitungen für das nächste Mal, da kommt immer eine ganze Reihe an Aufgaben auf uns zu“, sagt er.

Auf die Frage hin, ob Blasmusik denn nicht aus der Mode kommt, antwortet Gulpers: „Überhaupt nicht. Im Gegenteil, es melden sich immer mehr Vereine und Gruppen an. Vor allem Musiker aus Asien und Amerika nehmen vermehrt an dem Wettbewerb teil.“

Während Gulpers spricht, herrscht im Foyer der Halle hektisches Gewusel. Das Freiburger Blasorchester hat die Bühne verlassen, um Platz für die Konkurrenz zu machen. Notenzettel werden eingepackt, Instrumente abtransportiert und fragende Blicke ausgetauscht. Reicht es für den ersten Platz? Stimmte der melodische Ablauf? Maja Bergheimer spielt seit zehn Jahren Trompete im Freiburger Blasorchester. Gemeinsam mit ihren Kollegen ist sie das erste Mal die weite Strecke angereist.

„Wir haben uns lange auf diesen Tag vorbereitet und hoffen, dass es gereicht hat. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden“, sagt sie. Dann spricht sie mit ihrer Freundin über Dinge wie Fanfare, Harmonie und Brass-Klänge. Spätestens hier wird deutlich, dass das WMC ein Treffen für Insider ist, die über die verschiedenen Klangarten und Stufen innerhalb der Blasmusik fachsimpeln.

Am Ende des Tages haben die Aachener einen besonderen Grund zum Feiern. Sie gewannen die Goldmedaille und waren mit 92,08 Punkten mit Abstand tagesbester Verein. „Das ist eine Sensation! Dass so ein junges Bläserorchester wie wir es sind heute gewonnen hat, ist der absolute Wahnsinn und freut uns alle total“, sagt Achim Lindt, Vorsitzender der Bläserphilharmonie lachend, bevor gemeinsam ausgelassen gefeiert wird.

Wer nicht in der Halle das musikalische Treiben verfolgen konnte, der amüsierte sich beim Rahmenprogramm des WMC, das während der Wettbewerbswochen rund um Markt und Rathaus stattfindet.