Heinsberg: Björn Bigdon hat einen Lebensrettungsbrief entwickelt

Heinsberg: Björn Bigdon hat einen Lebensrettungsbrief entwickelt

Als Björn Bigdon sieht, wie viel Zeit, bei einem Rettungseinsatz verloren gehen kann, denkt er sich, dass man daran etwas ändern muss. Mit seinem Vater Rudolf macht er sich Gedanken. Ihnen wird klar, dass den Rettungskräften Informationen über ihre Patienten fehlen.

Das muss sich ändern, finden Björn und Rudolf Bigdon. Sie arbeiten an einer Idee. Mittlerweile ist aus den Gedanken, Recherchen und Gesprächen eine eingetragene Marke geworden. Das hilft den Patienten aber nicht — zumindest noch nicht.

Manchmal können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Björn Bigdon möchten den Rettungskräften mit seinem Lebensrettungsbrief Zeit verschaffen. Foto: imago/argum

Alles beginnt als ein Nachbar von Rudolf Bigdon in Selfkant-Süsterseel in kurzer Zeit zweimal den Rettungsdienst rufen muss. Immer wenn der Rettungsdienst kommt, müssen die Einsatzkräfte von vorne anfangen, weil sie nichts über Vorerkrankungen, Medikamentenunverträglichkeit oder chronische Leiden wissen. Solche Situationen möchte Björn Bigdon mit einem simplen System vermeiden: einem Lebensrettungsbrief. „Die erste Hilfe soll effizienter werden. Die Rettungskräfte sollen sofort wissen, was Sache ist“, sagt Björn Bigdon.

Im Kühlschrank

Und das stellt er sich so vor: Wenn Sanitäter oder Notarzt eintreffen, sehen sie am Wohnungseingang ein Schild, das auf den Lebensrettungsbrief hinweist. Der steckt in einem durchsichtigen Durchsichtigen Klettverschlussumschlag im Kühlschrank. Weil der Kühlschrank in jeder Wohnung schnell zu finden sei, sagt Björn Bigdon. Auf dem Brief sollen alle relevanten Informationen vermerkt sein. Idealerweise solle man dieses Dokument vom Arzt ausfüllen und ständig aktualisieren lassen.

Was der so einfach klingenden Idee bislang fehlt, ist ein hoher Bekanntheitsgrad. Und an dieser Stelle wird es kompliziert. Der Lebensrettungsbrief würde wohl schnell bekannt werden, wenn er durch relevante Institutionen im Gesundheitswesen unterstützt werden würde. Zum Beispiel von einer Krankenkasse oder einem großen Rettungsdienst. Aber das ist bislang nicht so. Die Bigdons haben an alle möglichen Institutionen geschrieben: Kassen, Ministerien, Städte, Parteien und Sozialverbände.

Das Resultat: Absagen oder gar keine Antworten. Die Argumente: Datenschutz oder Kosten. Und die Krankenkassen argumentieren zum Teil, dass die seit langem geplante elektronische Gesundheitskarte diese Funktion übernehmen soll. Bis es so weit ist, könnten aber noch viele Jahre vergehen. Und wenn es einmal so weit ist, benötigten die Rettungskräfte auch ein Gerät, um die Karten auszulesen, sagt Rudolf Bigdon. Auch das verursacht hohe Kosten.

Fehlende Praxiserfahrung

„Einzelne Leute, mit denen wir gesprochen haben, sind aber sehr angetan von der Idee“, sagt Rudolf Bigdon. Das seien meist Menschen aus der Praxis, die zum Beispiel selbst als Notarzt gearbeitet haben. Vielen Entscheidungsträgern fehle die praktische Erfahrung, um den Nutzen der Idee der Bigdons zu erkennen.

Nach Meinung von Rudolf Bigdon zieht aus praktischer Sicht auch das Datenschutzargument nicht. „Wenn Sie auf dem Boden liegen und innerhalb einer Minuten können die Rettungskräfte alle relevanten Informationen bekommen, um Ihnen zu helfen, interessiert Sie dann noch der Datenschutz?“, fragt er. „Man versteckt sich hinter dem Datenschutz und missachtet damit die Menschen, die in Not sind“, sagt er.

Die Bigdons verfolgen die Idee des Lebensrettungsbriefes seit 2014. Sie recherchierten, ob es in Deutschland oder im Ausland ein solches System gibt. „In Deutschland gibt es das noch nicht“, sagt Björn Bigdon. Auch nicht in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg. Ähnliche Systeme existieren allerdings schon. Zum Beispiel die Notfalldose, die ebenfalls im Kühlschrank aufbewahrt werden soll.

Im März 2016 meldet Björn Bigdon seine Marke beim Patent- und Markenamt in München an, vier Monate später kommt die Urkunde, die den „BMB-Patienten-Lebensrettungsbrief“ als eingetragene Marke ausweißt. Nun arbeiten Vater und Sohn daran, dass ihre Idee flächendeckend umgesetzt wird. Sollte es so weit kommen, könne der Lebensrettungsbrief für rund fünf Euro pro Stück in Serie gehen, sagt Björn Bigdon, der wie sein Vater von Haus aus Betriebswirt ist.

Und wenn sie keinen Unterstützer finden? „Dann haben wir Pech gehabt. Wir versuchen, ein offenes Ohr zu finden“, sagt Björn Bigdon. Aber ohne Bekanntheitsgrad geht eben gar nichts. Trotz der vielen Absagen, sind die Bigdons davon überzeugt, ihre Idee weiter verfolgen zu wollen. „Durch den Lebensrettungsbrief würde sich nichts verschlechtern. Er macht etwas besser“, sagt Björn Bigdon.