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Aachen: Bistum prüft Einführung von „Kirchgeld”

Aachen : Bistum prüft Einführung von „Kirchgeld”

Während sich die Vorstellung des Budgetentwurfs der Aachener Diözese für das längst laufende Haushaltsjahr 2006 mindestens noch bis zum 21. Juni verzögert, nimmt der vertröstete Kirchensteuerrat in seiner nächsten Sitzung am 29. Mai das delikate Thema „Besonderes Kirchgeld” in Angriff.

Ins Visier geraten Katholiken, die keine Einkommensteuer - also auch keine Kirchensteuer - abführen. So könnte man etwa katholische Ehegatten von konfessionslosen Alleinverdienern in „Glaubensverschiedenen Ehen” zur Kasse bitten.

In den Diözesen Hildesheim, Osnabrück und Teilen Münsters praktiziert man Kirchgeld-Modelle seit Januar. Die gesetzliche Regelung ist allerdings komplex, und Finanzexperten erwarten angesichts des hohen Verwaltungsaufwands nur bescheidene Erlöse.

Die evangelischen Landeskirchen beziffern ihre Einnahmen aus dem Kirchgeld 2004 auf 32 Millionen Euro - die Kirchensteuer summierte sich im selben Jahr auf 3,7 Milliarden Euro.

Das Generalvikariat feilt derweil an der Umstellung seines kompletten Rechnungswesens - statt traditioneller „Kameralistik” soll ein frisch installiertes Computersystem mit kaufmännisch moderner „doppelter Buchführung” vorausschauendes Planen ermöglichen.

„Die bistumsweite Umstellung ist natürlich ein enormer Aufwand und kostet Zeit”, sagt Günther Schulte, Abteilungsleiter im Generalvikariat - und gleichzeitig Geschäftsführer des Kirchensteuerrates. „Wir mussten sämtliche Posten auflisten und die Beträge einpflegen. Deswegen können wir den Haushaltsentwurf erst verspätet vorlegen.”

Zwei namhafte Mitglieder des 14-köpfigen Kirchensteuerrates werden das nicht mehr erleben. Sie erklärten inzwischen dem Vorsitzenden, Generalvikar Manfred von Holtum, ihren Rückzug aus dem Gremium: Pfarrer Wolfgang Acht (St. Jakob, Aachen) und Wolfgang Hördemann (Delegierter für die Region Aachen-Land). Offiziell wird dies mit erhöhten beruflichen Verpflichtungen begründet, hinter vorgehaltener Hand berichten Vertraute von Zerwürfnissen mit Ratsmitgliedern und -leitung.

In der jüngsten Sitzung Anfang Mai trennte man sich zudem endgültig vom Unternehmen „Solidaris”. Mit den externen Wirtschaftsprüfern, die seit vielen Jahren das Aachener Bistumsbudget durchleuchten, streitet das Generalvikariat um die Verantwortung für das finanzielle Desaster der Diözese.

Von zusätzlichen Belastungen in Millionenhöhe überrascht und durch wegbrechende Kirchensteuereinnahmen belastet, musste die Bistumsleitung ihren radikalen Sparkurs vor drei Jahren im Eiltempo einläuten. Jeder zweite der 940 Mitarbeiter verliert dabei seinen Job, bis 2012 sollen die Ausgaben laut Konsolidierungsplan um 65 Millionen Euro sinken.

Vergangenes Jahr drückte man die Ausgabenseite bereits auf 256,5 Millionen Euro, für 2006 sieht der „Businessplan” 254,1 Millionen Euro vor - und damit eine Unterdeckung von zwölf Prozent. „Die Vorgaben sind so eng, dass der Kirchensteuerrat ohnehin kaum Gestaltungsspielraum hat”, erklärt ein Finanzexperte des Generalvikars. Die Absegnung des Etats 2006 sei deshalb - früher oder später - nur Formsache...