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Aachen: Bistum: „Kirchgeld” noch ungewiss

Aachen : Bistum: „Kirchgeld” noch ungewiss

Ob das Bistum Aachen über katholische Ehegatten von konfessionslosen Alleinverdienern in „Glaubensverschiedenen Ehen” Teile der entgangenen Kirchensteuer nach dem Vorbild der Diözesen Hildesheim und Osnabrück über „Kirchgeld”-Modelle einfordern will, bleibt noch ungewiss.

Sicher scheint indes nach der jüngsten Kirchensteuerratssitzung, dass Gemeinden, die keinem Kirchengemeindeverband (KGV) angehören, in den kommenden Jahren mit weniger Geld rechnen müssen. „Eine Arbeitsgruppe wird die Richtlinien für die Schlüsselzuweisung überarbeiten, so dass Anreize für die KGV-Struktur entstehen”, bestätigte Bistumssprecher Franz Kretschmann am Dienstag. Noch immer wehren sich viele der rund 530 Pfarren gegen Kosten dämpfende Gemeinde-Gemeinschaften und zentrale Verwaltungen.

Den delikaten Tagesordnungspunkt „Besonderes Kirchgeld” vertagte der Kirchensteuerrat unter dem Vorsitz von Generalvikar Manfred von Holtum zunächst auf unbestimmte Zeit. „Informationen dazu werden wir erst veröffentlichen, wenn das Thema im Rat behandelt worden ist”, sagte Kretschmann.

Ob der Tagesordnungspunkt schon zur nächsten Sitzung am 21. Juni erneut auftaucht, in der das Generalvikariat den überfälligen Haushaltsentwurf des laufenden Jahres 2006 vorstellen muss, will man geheimhalten. Eine öffentliche Debatte im Vorfeld der Sitzung schade den Überlegungen hinter verschlossenen Türen, hieß es.

Der mit externen Unternehmensberatern entwickelte „Businessplan” im Konsolidierungskonzept der klammen Diözese sieht für 2006 Ausgaben in Höhe von 254,1 Millionen Euro vor - und damit eine Unterdeckung von zwölf Prozent. Mit der Prüfung des Jahresabschlussberichtes 2005, der mit 256 Millionen Euro Ausgaben sogar unter den Sparvorgaben des „Businessplans” bilanziert, beauftragte der Steuerrat erstmals seit rund 20 Jahren nicht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris, sondern die Deutsche Warentreuhand AG in Bonn.

Solidaris sei im Zuge der ausufernden Finanzkrise, die allein auf Bistumsebene mehr als 400 Arbeitsplätze kostet, in Ungnade gefallen, berichten Insider. Das Generalvikariat vermied gestern öffentliche Kritik und erklärte, der Wechsel „bot sich mit der Umstellung auf ein neues Rechnungswesen an”.