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Kardinal Woelki wird 65: Warten auf ein Wort des Papstes

Kardinal Woelki wird 65 : Warten auf ein Wort des Papstes

Schon lange war kein Kirchenmann mehr so umstritten wie der Kölner Kardinal Woelki. Viele fordern seinen Rücktritt – doch das perlt an ihm ab. Was für ein Mensch ist er, was treibt ihn an?

Rainer Maria Woelki wirkt nicht wie jemand, der um seinen Job bangt. Der 1,92-Meter-Mann zeigt in den Himmel, aber er spricht dabei nicht über höhere Sphären, sondern über seltene Raubvögel, die sich im Erzbischöflichen Garten zuhause fühlen. Er zwinkert seinem Besuch verschmitzt zu und fragt grinsend, wie die Fotografen es schafften, dauernd Bilder von ihm zu machen, auf denen er wie der absolute Unsympath rüberkomme.

Regelrecht locker erscheint der als Hardliner bekannte Kardinal, dabei prüft Papst Franziskus derzeit einen Untersuchungsbericht, der über seine Zukunft entscheiden könnte. Vielleicht kennt er das Ergebnis ja schon oder erahnt es zumindest - seine gute Vernetzung im Vatikan ist bekannt.

Am Mittwoch, 18. August, wird Woelki 65 Jahre alt. Andere gehen dann in Rente, doch von Bischöfen wird erwartet, dass sie mindestens bis 75 durchhalten. Dass ein Bischof abgesetzt wird, kommt nur selten vor. Doch im Juni hat Papst Franziskus zwei Apostolische Visitatoren entsandt, um in Köln nach dem Rechten zu sehen und etwaige Fehler Woelkis zu untersuchen. Ihr Bericht liegt seit etwa zwei Wochen im Vatikan vor.

Einer, der Woelki noch aus Kindertagen kennt, ist der aufgrund seines sozialen Engagements hoch angesehene Pfarrer Franz Meurer (69). Er erzählt von der Bruder-Klaus-Siedlung im Kölner Stadtteil Mülheim, in der sie beide groß geworden sind. Die Siedlung wurde kurz nach dem Krieg von der katholischen Kirche für Vertriebene gebaut. Auch Woelkis Familie kam aus Ostpreußen.

„Es war eine Welt, in der der Glaube eine Rolle spielte“, erzählt Woelki der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe das als etwas erlebt, das meinem Leben Orientierung gegeben hat.“ Dabei sei er in keiner Weise extrem gewesen, betont Pfarrer Meurer: „Er war ganz normal. Er hatte auch eine wirklich tolle Freundin.“

Meurer vermutet, dass Woelkis Zeit bei der Bundeswehr der Schlüsselmoment seines Lebens war. Zum ersten Mal habe er die geschlossene katholische Welt verlassen - und dies als Schock erfahren. Er habe Menschen ohne inneren Halt kennengelernt und dadurch die Überzeugung gewonnen, dass man den Glauben auf keinen Fall preisgeben darf - auch nicht ein Stück weit. Woelki selbst sagt dazu: „Ich habe in dieser Zeit noch einmal sehr bewusst die stabilisierende Kraft des Glaubens für mich erfahren.“

Anschließend begann er zunächst ein Lehramtsstudium und wechselte dann zur Theologie. 1985 wurde er zum Priester geweiht, dann folgte eine steile Karriere: 1990 wurde er Geheimsekretär des Kölner Erzbischofs Joachim Meisner, 2003 Weihbischof, 2011 Erzbischof von Berlin und 2014 Erzbischof von Köln. Die Erwartungen an den Neuen waren nach einem bleiernen Vierteljahrhundert Meisner hochgesteckt. Bei seiner Amtseinführung im Kölner Dom erklärte die damalige grüne Vize-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, Woelki passe „zu einer neuen modernen katholischen Kirche“.

Das war jedoch reines Wunschdenken. Woelki stellte sich gegen jedwede liberale Reform, von der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene über Segnungen homosexueller Paare bis zum Erneuerungsprozess Synodaler Weg. Dies stand in den Augen vieler Gläubiger in einem merkwürdigen Gegensatz zu seinem Engagement für Flüchtlinge: Bei einer Fronleichnamsmesse nutzte er einmal sogar ein hölzernes Flüchtlingsboot als Altar.

Streng in der Lehre, aber gleichzeitig humanitär engagiert - für Woelki ergibt sich beides aus seinem Glauben. Selbst sieht er sich keineswegs als ewigen Bremser. „Reformkatholiken, Linkskatholiken, Rechtskatholiken - ich mag solche Schubladen nicht“, sagt er im Interview. „Das macht Menschen kaputt, das macht die Gesellschaft kaputt, das macht die Kirche kaputt.“

Frauen an die Macht? Das wolle er doch auch, versichert er in seinem Arbeitszimmer mit geöffneten Türen zum Garten. Im Generalvikariat sage man über ihn: „Bei dem musst du entweder Priester oder Frau sein, wenn du was werden willst.“ Aber dass Frauen zum Priesteramt zugelassen würden, „das ist theologisch gesehen einfach nicht realistisch“.

Für einen Rücktritt gibt es aus seiner Perspektive keinen Grund. In zwei Gutachten ist festgestellt worden, dass er an der Vertuschung von sexuellem Missbrauch nicht beteiligt war. Dass er im Erzbistum isoliert und das Verhältnis zu den wichtigsten Gremien zerrüttet ist, will er so nicht stehen lassen: „Es ist nicht so, als ob alle sagen würden: "Wir wollen mit dem nicht zusammenarbeiten." Ich habe außerdem Hunderte von Briefen erhalten, die mich auffordern, weiterzumachen.“

Jetzt heißt es: Warten auf ein Wort des Papstes. Der muss schließlich entscheiden. So oder so steht Woelki eine schwierige Zeit bevor. „Er ist eine ehrliche Haut“, verteidigt ihn Pfarrer Meurer. Aber auch er muss einräumen: „Er ist in eine Sackgasse geraten.“

(dpa)