In Aachen streiken Frauen im Rahmen der Protest-Initiative „Maria 2.0“

Protest-Initiative „Maria 2.0“ : Kirchenstreik der Frauen auch in Aachen

Wenn die Frauen in der Kirche streiken, ist die Kirche am Ende. Bei allen Differenzen unter katholischen Christen über notwendige Änderungen in Struktur und Pastoral, Lehre und Moral herrscht darüber breitester Konsens: Ohne weibliches – und weitgehend ehrenamtliches – Engagement kann die Kirche einpacken.

Geduldig übernehmen Frauen gerade an der Basis, in den Pfarreien unentwegt jene Aufgaben, die viel Arbeit und wenig Applaus einbringen.

Die Online-Petition

Wenn die Frauen in der Kirche streiken . . . In den nächsten Tagen ist es so weit. Zwar steht die Kirche dann doch noch nicht am Ende, denn es handelt sich eher um eine Art Warnstreik. „Aber ein Aufschrecken soll und muss es schon geben“, sagt Marie-Theres Jung, Vorsitzende des Diözesanverbands Aachen der Katholischen Deutschen Frauengemeinschaft (KFD). Also unterstützt ihre Organisation die von Münster ausgehende Protest-Initiative „Maria 2.0“, die engagierte Frauen aufruft, von heute bis zum 18. Mai ihre Aktivitäten in Gottesdiensten, in der Katechese und Seelsorge einzustellen.

Mit ihrem sogenannten Kirchenstreik protestieren die beteiligten Frauen gegen die bislang festgefügten Machtstrukturen in ihrer Kirche. In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern sie Zugang zu allen Ämtern der Kirche – also auch zum Priesteramt. Sie werden dabei vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem höchsten Laiengremium der Kirche, namhaften Theologen und einzelnen Bischöfen unterstützt.

Aachens Bischof Helmut Dieser gehört nicht zu den Sympathisanten der Proteste. Er hatte sich geweigert, an einer Podiumsdiskussion der KFD über das Frauendiakonat teilzunehmen, was zu erheblichen Irritationen führte, die Aktion „Maria 2.0“ im hiesigen Bistum aber zusätzlich befeuert hat. Gegenüber unserer Zeitung verwies Dieser auf ein „intensives und gutes Gespräch mit dem Vorstand der KFD“, bei dem er seine Absage erläutert habe. „Meine Teilnahme hätte zu einer öffentlichen Polarisierung geführt. Für mich ist das Thema der Beteiligung von Frauen an Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen in der Kirche in den synodalen Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz angestoßen hat, insgesamt verankert. Dazu zählen auch aus meiner Sicht Leitungsaufgaben in der Kirche.“ Er verweigere sich aber keinem Dialog und stelle sich – „ganz im Sinne unseres ‚Heute bei dir‘-Prozesses“ – der Diskussion.

Wenn am Samstag, 18. Mai, das nächste große Themenforum dieses Diskussionsprozesses in Mönchengladbach stattfindet, will die KFD auch dort mit der Aktion „Maria 2.0“ präsent sein – und zwar ab 9 Uhr an der Bischöflichen Marienschule (Viersener Straße).

Nachdem eine vom Papst eingesetzte Kommission zur Frage des Frauendiakonats ihre Arbeit vorerst beendet hat, sagte Franziskus vor vier Tagen, dass es in absehbarer Zeit keine Entscheidung in dieser Frage geben werde. Diese Haltung scheint die jetzt protestierenden Frauen erst recht anzuspornen. In vielen deutschen Bistümern wird es Demonstrationen und andere Protestaktionen geben. Wie umfangreich? Das ist kaum abzuschätzen, weil der „Kirchenstreik“ nicht zentral von einer der katholischen Frauenorganisationen organisiert wird. Viele Aktionen sind erst kürzlich oder gar in den letzten Tagen spontan geplant worden. Zahlreiche Frauen, die sich in ihrer Kirche engagieren und für den Protest durchaus ansprechbar wären, haben erst in dieser Woche davon erfahren oder wissen bis heute nichts davon.

Der Scherbenhaufen

In Düren rufen die KFD-Vorsitzende Jung und die Vorsitzende des Dürener Katholikenrats, Irene Moersch, zu einer Mahnwache auf – am morgigen Sonntag um 11 Uhr auf dem Platz vor der Annakirche – und „unterstreichen nachdrücklich, dass die strukturellen Machtverhältnisse und Ausgrenzung von Frauen in der Kirche verändert werden müssen“. In ihrem Aufruf heißt es: „Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche“, denn „trotz der allseits beteuerten Reformbereitschaft ist die Abschaffung bestehender männerbündischer Machtstrukturen nicht in Sicht“.

Ein echter Streik wäre gut, sagt Jung im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber wir wollen nicht mit der Brechstange vorgehen. Wir freuen uns über jede und jeden, die am Sonntag mit uns vor der Kirche bleiben.“ Sie erwartet keine zusätzliche Polarisierung oder Verhärtung der Fronten und widerspricht der Argumentation von Dieser: „Wir müssen doch ins Gespräch kommen – und zwar öffentlich. Wir wollen Argumente austauschen; wir wollen eine offene Kirche.“

In der Pfarrei St. Rochus in Aachen-Walheim haben Christina Engels und Ulrike Ziemons mit anderen Frauen überlegt, am Kirchenstreik teilzunehmen, und hätten es aus Überzeugung gerne getan. „Bei uns in Oberforstbach ist die Priestermangelsituation aber inzwischen so gewaltig, dass überhaupt nichts stattfinden würde, wenn wir Frauen alle Ehrenämter ruhen lassen würden“ – und eben auch kein Wortgottesdienst, der nicht nur hier ohne Frauen gar nicht zustande käme.

Wenn die Frauen in der Kirche streiken, ist die Kirche am Ende.