Dompropst Manfred von Holtum hört auf

Aachens Domkapitel und sein Statut : Wer im Dom was zu sagen hat

Den einen gilt es als ehrwürdig, anderen als vorgestrig klerikal. So oder so – das Domkapitel ist auf jeden Fall etwas Spezielles. Dompropst Manfred von Holtum scheidet in der kommenden Woche aus dem Amt. Eine gute Gelegenheit, hinter die Domkulissen zu schauen.

Was ist das Domkapitel und welche Aufgaben hat es?

Das Domkapitel ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Verfassung auf dem Konkordat von 1929 zwischen dem Vatikan und dem damaligen Freistaat Preußen fußt. Es kümmert sich vor allem um Instandhaltung und Pflege des Domes und des Domschatzes, Liturgie am Dom, Dommusik und Domsingschule, Heiligtumsfahrt und Bischofswahl, Fundraising.

Wie setzt sich das Domkapitel zusammen?

Aus dem Dompropst, sechs residierenden und vier nicht residierenden Domkapitularen sowie sechs Domvikaren. Zahl und Zusammensetzung sind im Konkordat festgeschrieben und damit nicht veränderbar.

Wie sind die Rechte und Pflichten im Domkapitel verteilt?

Nur der Dompropst und die sechs residierenden Domkapitulare sind rechtlich verantwortlich und haben bei ihren regelmäßigen Sitzungen, an denen ein Vertreter der Domvikare teilnimmt, in allen Fragen volles Stimmrecht. Nur bei der Wahl eines neuen Bischofs wählen auch die nicht residierenden mit. Zwei Mal im Jahr sind auch die nicht residierenden und die emeritierten Domkapitulare zu Sitzungen eingeladen. Die Domvikare nehmen spezielle Aufgaben am Dom wahr.

Wie wird man Domkapitular oder Dompropst?

Der Bischof ernennt den Dompropst und jeden Domkapitular. Für beide Positionen gilt: Bei jeder zweiten Besetzung wählt das Domkapitel einen Kandidaten und schlägt ihn dem Bischof zur Ernennung vor. Im anderen Fall wählt der Bischof aus, informiert das Domkapitel davon, dieses nimmt Stellung dazu, an die der Bischof aber nicht gebunden ist. Bei den jetzt anstehenden Berufungen der Nachfolger von von Holtum und des gestorbenen Domkapitulars Heiner Schmitz hat das Domkapitel das Wahlrecht.

Wie lange bleiben die Mitglieder im Domkapitel?

Bis zum 75. Geburtstag.

Gehört der ausgeschiedene Dompropst dem Domkapitel weiter an?

Ja, aber er verliert – abgesehen von wenigen eher formalen Privilegien – alle Rechte und Pflichten eines Domkapitulars.

Wer übernimmt die Aufgaben des Dompropstes nach von Holtums Ausscheiden bis zur Ernennung des Nachfolgers?

Das dienstälteste Mitglied im Domkapitel – in diesem Fall Weihbischof Karl Borsch.

Wem gehört der Dom?

Dem Domkapitel.

Ist das Domkapitel reich?

Manfred von Holtum sagt: Nein. Auch wenn ihm einige Immobilien und Erbpachtgrundstücke gehören. Der Dom kostet nur Geld.

Welche Einnahmen hat der Dom?

Vor allem die Förderung durch den Karls- und Dombauverein, Kirchensteuermittel, Spenden für konkrete Projekte, Kollekten, Unterstützung durch Stadt, Land und Bund sowie Miet- und Pachteinnahmen.

Stimmt es, dass Domkapitulare auch vom Land bezahlt werden?

Ja, einen Teil ihres Gehaltes bekommen sie – aufgrund des Konkordates von 1929 – vom Land NRW. Das Gleiche gilt für den Bischof und einen Weihbischof. Über diese Dotationen und die Frage, ob sie heute noch politisch vertretbar sind, wird aktuell diskutiert.

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