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Der Hashtag von Nico Ballmann bietet Kontakt trotz Coronavirus'

Digitale Kirche : „Wir bleiben weiterhin ansprechbar!“

Deutschlandweit finden sich Christen konfessionsübergreifend im Internet zusammen. Der Kölner Pfarrer Nico Ballmann hat dafür in den Sozialen Medien den Hashtag #ansprechbar ins Leben gerufen. Er bündelt eine Vielzahl von Angeboten in Zeiten, in denen Gotteshäuser geschlossen bleiben müssen.

Einfach jemanden persönlich anzusprechen, fühlt sich gerade falsch an. Abstand halten ist angesagt. Dabei ist das Bedürfnis nach Nähe, Verständnis, einem offenen Ohr aufgrund der gebotenen Abstandnahme und den damit verbundenen Herausforderungen, vor denen alle jeden Tag aufs neue stehen, zurzeit besonders hoch. Glücklicherweise häufen sich Hilfsangebote – auch hier in der Region. Mit dabei sind auch die Kirchen.

Gottesdienste werden in leeren Gotteshäusern gefilmt, aber mit der Gemeinde vor den Bildschirmen zu Hause gefeiert. Aber nicht nur Gottesdienste werden ausgestrahlt: Andachten werden über die Sozialen Medien live übertragen, Gebete gepostet, Fürbitten geteilt. Deutschlandweit finden sich Christen konfessionsübergreifend gemeindlich zusammen.

Christen vernetzen sich online

Diese Angebote sammeln sich unter dem Hashtag #ansprechbar in allen Sozialen Netzwerken. Ins Leben gerufen hat ihn vor kurzem eher zufällig der Kölner Pfarrer Nico Ballmann. „Wie fühlt es sich für die Menschen an, wenn Gottesdienste und Gemeindekreise abgesagt werden?“ war die Frage, die ihn bewegte. Seine Antwort: „Wir sind ja noch da! Ganz viele Kollegen, die auch schon lange digital vernetzt sind, sind auch jetzt noch ansprechbar in Zeiten des Coronavirus’. Nur weil die Gemeinden schließen, heißt das nicht, dass wir nicht trotzdem da sind!“ Er selbst war überrascht von der Reichweite, die der Hashtag inzwischen hat, der Menschen miteinander verbindet.

Dabei wird er nicht von Pfarrern genutzt. Auch Seelsorger, Gemeindepädagogen, Gemeindereferenten, Diakone, Religionslehrer und Theologiestudierende bieten an, ansprechbar zu sein. Das geht beispielsweise mit der App Tellonym sogar anonym.

Teilt seinen Berufsalltag als Pfarrer auf Instagram: Nico Ballmann. Foto: Nico Ballmann

Menschen, die ihre Gebetsanliegen, Sorgen und Ängste mit Ballmann teilen, sind im Schnitt zwischen 20 und 40 Jahren alt, in einigen Fällen aber auch deutlich älter. Sie bitten den Pfarrer beispielsweise darum, Menschen aus der Familie, für die das Coronavirus besonders gefährlich sein kann, in seine Gebete einzuschließen, erklärt Ballmann. Ansprechbar zu sein, bedeutet nicht nur zuzuhören, sondern auch sichtbar zu sein. Sichtbar, um zu zeigen, dass niemand allein ist, Gemeinschaft und Gemeinde weiterhin bestehen.

Neue Formate auf Instagram

Dass gerade Ballmann, der gebürtig aus Düren kommt, digital gut aufgestellt ist, liegt daran, dass er sich schon während des Vikariats, der praktischen Ausbildungszeit für angehende Pfarrer, an verschiedenen Formaten gerade auf Instagram ausprobiert hat, wo er unter dem Namen „Einschpunk“ zu finden ist.

Seine Pfarrstelle in Köln-Bickendorf sieht vor, dass er ein Viertel seiner Arbeitszeit der sogenannten Digitalen Kirche widmet. Was Digitale Kirche ist, ist dabei bislang aber weitgehend undefiniert und offen. „Die Digitale Kirche entzieht sich erstmal jeder klassischen Definition. Jeder der möchte, kann Teil der Digitalen Kirche sein“, sagt Ballmann. Für ihn bedeutet das beispielsweise, seinen Berufsalltag als Pfarrer auf Instagram zu teilen. Außerdem erklärt er komplexe theologische Themen mit verschiedenen Gästen in seinem Format „Auf ein Glas Wein mit...“. Frisch gestartet hat er die „Instapulse“ – kurze Andachten bei Instagram, bei denen er zum Mitmachen einlädt.

Aber auch in der Region wird Kirche zunehmend digitaler und bietet online Angebote zu Vernetzung. Die katholische Kirche im Bistum Aachen bietet zum Beispiel zusätzlich zur Telefonseelsorge auch eine Internetseelsorge über ihre Homepage an und nutzt ebenso Ballmanns Hash­tag #ansprechbar. Viele Evangelische Gemeinden im Kirchenkreis Aachen übertragen ihre Gottesdienste live im Internet.

Digitale Gebetswand

Eine weitere Initiative stammt von der Evangelischen Studierendengemeinde Aachen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Hochschulgemeinde Aachen. Jeden Tag um 19.30 Uhr wird ein gemeinsames Abendgebet als Video bei Youtube hochgeladen. Die digitale „Prayerwall“ (Gebetswand) soll Impulse zur Reflexion des erlebten Tages bieten. Wer sich beteiligen möchte, kann Anliegen und Gebete vorher einsenden. Die Videos werden zudem auf Facebook und Instagram geteilt.

Auch wenn der Kontakt gerade nicht im selben Raum stattfindet, das Kirchencafé geschlossen bleibt: Der persönliche Kontakt ist möglich. „Wir bleiben weiterhin ansprechbar“, sagt Ballmann. Wer diese digitalen Impulse analog weitergeben möchte, kann das beispielsweise tun, indem als Symbol eine Kerze ins Fenster gestellt wird, während abends die Kirchenglocken läuten.