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Bistum Aachen: Ermittlungen gegen Weihbischof Johannes Bündgens

Bischof Dieser „schockiert“ : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Aachener Weihbischof Bündgens

Die Kölner Staatsanwaltschaft stellt Johannes Bündgens wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht, es geht um 127.000 Euro. Aber was ist eigentlich genau passiert?

Am Dienstag hat der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens den Generalvikar des Bistums Aachen, Andreas Frick, darüber informiert, dass die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen ihn erhoben hat. Bündgens lasse bis auf Weiteres alle Ämter ruhen. Bischof Helmut Dieser sei „schockierte und drängt auf vollständige Aufklärung“, teilte das Bistum am Donnerstagvormittag mit.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte das Amtsgericht Kerpen, dass eine 78 Jahre alte Frau K., die in Kerpen lebt und offenbar recht wohlhabend ist, Bündgens 2016 eine Vollmacht für mindestens ein Bankkonto erteilt habe. Zwischen Frau K. und dem Aachener Weihbischof habe „ein Vertrauensverhältnis bestanden“, sagte Joachim Rau, Direktor des Amtsgerichts Kerpen. Sie sei caritativ tätig gewesen und kenne Büdgens offenbar schon seit Jahren.

Zwischen Dezember 2017 und Januar 2018 habe Bündgens mit vier Überweisungen insgesamt 127.000 Euro von dem Konto der Frau auf sein eigenes Konto transferiert, um mit Hilfe dieses Betrages in Aachen eine Immobilie zu erwerben, die 600.000 Euro gekostet habe, sagte Rau. Die Immobilie sei auf Bündgens’ Namen im Grundbuch eingetragen.

Das Ermittlungsverfahren kommt ins Rollen

Im Gegenzug soll Bündgens Frau K. ein lebenslanges Wohnrecht in dieser Immobilie eingeräumt haben, doch dieses Wohnrecht sei weder im Grundbuch eingetragen noch anderweitig vertraglich fixiert worden. Frau K., die gesundheitlich beeinträchtigt und offenbar dement ist, steht mittlerweile unter gerichtlicher Betreuung, sagte Rau. Und der gerichtlich bestellte Betreuer ist es offenbar auch gewesen sein, der das Ermittlungsverfahren gegen Bündgens ins Rollen brachte. Im Frühjahr 2018 unterrichtete eine Betreuungsrichterin die Kölner Staatsanwaltschaft von den vier Überweisungen.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Köln lautet Untreue. Bündgens müsse klar gewesen sein, dass Frau K. aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme möglicherweise nicht mehr geschäftsfähig gewesen sei, sagte Amtsgerichtsdirektor Rau weiter. Dennoch habe er den hohen Betrag auf sein Konto transferiert.

Frau K.s Betreuer habe zunächst erreicht, dass Bündgens sich dazu bereit erklärte, die 127.000 Euro in Raten à 1000 Euro pro Monat zinsfrei zurückzuzahlen. Mittlerweile, sagte Rau, habe Bündgens den vollständigen Betrag an Frau K. zurückbezahlt.

Bündgens ist 63 Jahre alt und stammt aus Eschweiler. 2006 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Aachen. Im Bistum Aachen gibt es neben Bischof Helmut Dieser zwei Auxiliar-, also Hilfsbischöfe, die Dieser bei seiner Arbeit in bischöflichen Funktionen unterstützen. Sie werden Weihbischöfe genannt.

Diese Weihbischöfe sind zudem Domkapitulare und Mitglieder der regionalen Bischofskonferenzen. Seit 2006 war Bündgens darüber hinaus Caritasvorsitzender für das Bistum Aachen. Er wird wie Gymnasialdirektoren nach der Besoldungsstufe A16 bezahlt und verdient in seiner Altersstufe etwa 7000 Euro im Monat.

Generalvikar Frick sagte: „Das ist eine schwere Stunde für uns.“ Solche „Störmeldungen“ seien nicht dazu geeignet, das Vertrauen in die Kirche zu stärken. Bündgens habe im Gespräch mit ihm eingeräumt, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn „das System verunsichere“, sagte Frick weiter.

Das Amtsgericht Kerpen prüft nun die Anklageschrift der Kölner Staatsanwaltschaft und wird in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob die Anklage gegen Bündgens zugelassen wird. Untreue ist im Strafgesetzbuch mit Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Haft bedroht. Doch selbst im Falle eines Schuldspruchs wäre es erfahrungsgemäß äußerst unwahrscheinlich, dass Bündgens tatsächlich in Haft müsste. Der Weihbischof ließ mitteilen, er wolle „zur lückenlosen Aufklärung“ der Vorwürfe beitragen.