1. Region
  2. Bistum & Glaube

Bonns oberster Katholik: „Berechtigte Empörung“ über Bischöfe

Bonns oberster Katholik : „Berechtigte Empörung“ über Bischöfe

Immer neue Missbrauchsfälle werden aus der katholischen Kirche bekannt. Oft wurden sie vertuscht. Der oberste Katholik von Bonn fordert, dass die Verantwortlichen es nicht bei reuigen Worten belassen.

In der Missbrauchskrise hat der oberste katholische Vertreter in Bonn, Stadtdechant Wolfgang Picken, bei Bischöfen die Bereitschaft zum Rücktritt angemahnt. Wenn es um die Vertuschung von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen gehe, sei es mit Entschuldigungen nicht getan. „Es könnte sein, dass für einen glaubwürdigen Neubeginn auch der Rücktritt von Bischöfen notwendig ist“, teilte Picken am Mittwoch mit.

Wichtig sei, dass Bischöfe, denen bewusst sei, dass sie Fehler gemacht hätten, selbst Konsequenzen zögen, bevor sie durch Gutachten oder durch eine mediale Öffentlichkeit dazu gezwungen würden. Viele Gläubige zweifelten nicht an ihrem örtlichen Priester: „Stattdessen herrscht berechtigte Empörung hinsichtlich des Versagens ihrer Bischöfe.“

Die Deutsche Bischofskonferenz müsse einheitliche Standards erarbeiten, wie sich Verantwortliche verhalten müssten, wenn sie Fehler gemacht hätten, forderte Picken. „Es wäre ein Skandal mit verheerender und unabsehbarer Wirkung, wenn teure Gutachten Vertuschungen und Fehlentscheidungen aufdecken und nichts passiert“, warnte Picken. Das würden „die Gläubigen nicht verzeihen“.

Picken schrieb auch, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass reformorientierte Bischöfe geschont würden. So sei es schwer nachvollziehbar, dass sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zwar kritisch über den konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki geäußert habe, nicht aber über den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Durch sie seien Missbrauchstäter nachweislich weiter als Priester zum Einsatz gekommen, kritisierte Picken. Sowohl Overbeck als auch Bode werden dem Lager der Reformer zugerechnet.

Derzeit vergeht kaum ein Tag ohne neue Enthüllungen über Missbrauchsfälle oder deren Vertuschung durch Hierarchen der Kirche. Nach einem Bericht der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ hat sich das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ nunmehr von seinem Gründer Pater Werenfried van Straaten (1913-2003) distanziert. „Diese massiven Defizite des Verhaltens von Pater van Straaten sind nicht zu rechtfertigen“, schreibt die Organisation demnach in einer Stellungnahme zu den Recherchen von „Christ & Welt“.

Der Niederländer van Straaten galt lange als Lichtgestalt der katholischen Kirche. Er wurde als „Speckpater“ bekannt, weil er unmittelbar nach dem Krieg bei flämischen Bauern Speck für die unterernährten deutschen Heimatvertriebenen sammelte. Wie „Christ & Welt“ berichtet, wurde 2010 jedoch eine versuchte Vergewaltigung einer zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alten Mitarbeiterin bekannt. Kardinal Mauro Piacenza, damals Präfekt der römischen Kleruskongregation, habe in einem internen Schreiben dazu aufgefordert, die Erkenntnis geheim zu halten.

Im Kölner Dom habe wiederholt rund um van Straatens Todestag am 31. Januar 2003 ein Jahresgedenken stattgefunden, berichtete „Christ & Welt“. Der frühere Kölner Kardinal Joachim Meisner habe van Straaten als „Reinkarnation Christi“ bezeichnet.

(dpa)