Angemerkt: Anspruch und Wirklichkeit

Angemerkt : Anspruch und Wirklichkeit

Als Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, den Papst vor einigen Tagen auf den Wunsch nach gleichberechtigter Teilhabe der Frauen in der Kirche ansprach, antwortete Franziskus, neue Antworten auf neue Situationen müssten „in Einklang mit der Offenbarung stehen“.

Auch in der Frage des Frauendiakonats gehe es um die Frage der Offenbarungsgemäßheit. „Und wenn der Herr den sakramentalen Dienst für Frauen nicht wollte, geht das nicht.“

Im Streit um „Maria 2.0“ offenbart sich ein grundsätzliches Problem der katholischen Kirche. Höchste Kleriker berufen sich auf angeblich geoffenbarte und verbindliche Wahrheiten und sehen sich als deren zuständige und maßgebliche Interpreten. Dieser Wahrheitsanspruch der kirchlichen Lehre wird heute allerdings von den meisten Kirchenmitgliedern infrage gestellt.

Dogmen oder letztverbindliche Lehraussagen – wie jene über das Weiheverbot für Frauen – werden von den Gläubigen vielfach gar nicht mehr nachvollzogen und akzeptiert, und die Kirchenlehre sieht sich außerstande, deren Relevanz für die katholischen Christen und den Glauben verständlich zu machen.

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