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Aufruf an Missbrauchsbetroffene: Aachener „Sternsinger“ wollen Präsidentschaft von Winfried Pilz aufarbeiten

Aufruf an Missbrauchsbetroffene : Aachener „Sternsinger“ wollen Präsidentschaft von Winfried Pilz aufarbeiten

Das Kindermissionswerk „Sternsinger“ will die Zeit von Winfried Pilz in Aachen aufarbeiten. Dazu sollen sich auch Betroffene melden. Ende Juni wurden schwere Missbrauchsvorwürfe gegen den damaligen Präsidenten bekannt.

Am 29. Juni hatte das Erzbistum Köln öffentlich mitgeteilt, dass sich der 2019 verstorbene Pilz in den 1970er-Jahren „gegenüber einer schutzbedürftigen Person sexuell missbräuchlich verhalten hat“.

Dies wurde im Rahmen der in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie des Erzbistums festgestellt. Das in Aachen ansässige Kindermissionswerk der „Sternsinger“ schloss sich dem Aufruf des Erzbistums an, laut dem sich weitere Betroffene bei den unabhängigen Beauftragten des Erzbistums melden sollen.

Am Donnerstag teilte ein Sprecher des Erzbistums mit, es habe seitdem Reaktionen gegeben, „darunter auch Hinweise auf weitere mögliche Missbrauchsfälle“. Darüber hatte zuvor die „Rheinische Post“ berichtet. Pilz war ein prominenter Priester, als Präsident der Sternsinger war er im Kanzleramt und beim Bundespräsidenten. Außerdem ist er als Autor des Jugendkirchenliedes „Laudato si“ bekannt.

Das mutmaßliche Opfer der Vorfälle aus den 1970er-Jahren hatte sich bereits 2012 ans Erzbistum Köln gewandt. Das leitete ein Verfahren ein. Weil sich die Vorwürfe in Teilen bestätigten, erteilte der damalige Kardinal Joachim Meisner dem Pfarrer im Ruhestand im Februar 2014 einen Verweis, sprach eine Geldstrafe aus und verbot Pilz, sich Minderjährigen ohne die Anwesenheit von Erwachsenen zu nähern.

Nun haben die „Sternsinger“ das weitere Vorgehen in der Aufarbeitung der Präsidentschaft Pilz’ konkretisiert. Demnach führe man derzeit Gespräche mit damaligen Mitarbeitern und Funktionsträgern, die mit Winfried Pilz zusammenarbeiteten. Dazu kooperiere das Kindermissionswerk mit einer externen Beratung. Zudem sei eine psychologische Krisenintervention eingerichtet worden.

Nun laufe die Analyse von internen Dokumenten, um weiteren Hinweisen von missbräuchlichem Verhalten nachzugehen. Dieser erste Schritt werde „nach heutiger Einschätzung etwa drei bis sechs Monate einnehmen“, heißt es in einer Mitteilung. Anschließend werde man über den Zwischenstand und das weitere Vorgehen informieren. Ergänzend dazu prüft das Kindermissionswerk, eine externe, unabhängige Studie in Auftrag zu geben.

(cheb)