Bistum Aachen startet die nächste Phase seines Veränderungsprozesses

Aachen : Ideen für die Zukunft der Kirche? Jetzt anmelden!

„Ich erlebe einen Aufbruch im Bistum und viel Bereitschaft, mitzumachen“, sagt der Bischof. Die Chance sei groß, mit vielen Menschen über die Zukunft der Kirche zu sprechen. „Ich stelle Freude und große Motivation fest.“ Helmut Dieser zeigt sich also hochzufrieden.

In den letzten Woche haben er, die beiden Weihbischöfe Karl Borsch und Johannes Bündgens sowie Generalvikar Andreas Frick bei vier regionalen Großveranstaltungen und mehr als 20 privaten Essen auf sogenannten Küchentischtouren mit rund tausend Menschen über Glauben und Kirche gesprochen. Dieser Veranstaltungsreigen wird noch bis Juli fortgesetzt.

Ab sofort beginnen aber nun die eigentlichen Gesprächsrunden im bistumsweiten Veränderungsprozess. Das Programm erläuterten Dieser und Frick am Freitag auf einer Pressekonferenz. Zentrales Element werden demnach 13 sogenannte Teilprozessgruppen sein: Gesprächsrunden mit jeweils acht bis 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich regelmäßig im Zwei-Wochen-Rhythmus treffen und mindestens ein Jahr lang oder auch länger über zentrale Themen kirchlichen Lebens diskutieren: Eucharistie, Gottesdienste, Seelsorge, Glaubensvermittlung, Dialogformen, Diakonie, Caritas, katholische Verbände, Bildungseinrichtungen, Struktur und Leitung der Gemeinden.

Neben dieser Intensivarbeit der 13 Gesprächsrunden sind genau zu deren Themen 13 Foren geplant, die ganztägig am 10., 17. und 24. November sowie im Juni 2019 vorgesehen sind. Dazu und zu den Teilprozessgruppen kann sich jedermann ab sofort im Internet (www.heute-bei-dir.de) oder schriftlich anmelden. Eine neunköpfige Lenkungsgruppe, deren Mitglieder aus dem Generalvikariat, der Priesterschaft sowie katholischen Verbänden und Einrichtungen kommen, wird die eingehenden Bewerbungen sichten und dem Bischof für jede Gesprächsrunde Mitglieder vorschlagen, über die Dieser dann entscheidet. Im Oktober soll die Arbeit beginnen.

Der eigentliche Themenkomplex, in dem es um die Zukunft der Pfarreien vor Ort, deren Zahl, Struktur und Leitung geht, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt — voraussichtlich frühestens 2020 — behandelt. Auf eine Terminprognose will sich Frick derzeit nicht einlassen, sagt aber, dass vom Bischof ein „Befreiungsschlag erwartet“ werde; viele Haupt- und Ehrenamtliche seien der Meinung, „dass es so wie bisher nicht weitergeht“. Dieser bekräftigt, es habe keinen Sinn, das Bisherige zu verlängern. „Inhalte vor Strukturen“, darauf komme es ihm an. „Wir müssen uns erst des inneren Bildes der Kirche von morgen vergewissern; dann können wir die Strukturen reformieren.“

Der Bischof hat bei seinen Gesprächen vor allem folgende Interessen festgestellt: Sprache der Kirche; Angebote für Jugendliche, Entlastung der Priester zugunsten der Seelsorge, Gottesdienstformen und die Sorge um die kirchlichen Strukturen vor Ort. Insbesondere Jugendliche hätten ihn wiederholt mit Grundsatzfragen konfrontiert: „Wer ist Gott? Welches Menschenbild haben wir? Wofür brauchen wir Dogmen?“

Der Bischof machte keinen Hehl daraus, dass es auch Verunsicherung, Kritik und Skepsis im Bistum gibt, wie der Prozess gelingen solle und die Kirche auch künftig in der Nähe der Gläubigen bleiben könne. „Diese Ängste können wir nicht wegdrücken; wir müssen freimütig darüber reden und zugleich beieinander bleiben“, sagt Dieser. „Ich hoffe, dass das gelingt; es wird ein Abenteuer.“ Er sehe sich zudem mit der Frage konfrontiert, wer letztlich über die Konsequenzen aus dem Veränderungsprozess zu entscheiden habe. Dass er selbst das ist, hat Dieser wiederholt betont.

Die diözesanen Räte, aus deren Reihen es zum Teil massive Kritik am Veränderungsprozess gegeben hat, würden beteiligt“, sagte Dieser am Freitag. „Sie erhalten als erste die Informationen. Sie sind die ersten, die Ergebnisse sehen; sie sind die ersten, die Kritik üben können. Sie werden viel Arbeit bekommen.“ Die Katholikenräte von Aachen Stadt und Land hatten sich zudem Ende März heftig darüber beklagt, dass Dieser den Gedankenaustausch mit ihnen verweigere.

Am Freitag sagten die Vorsitzenden beider Gremien, Holger Brantin und Walter Kahn, unserer Zeitung, dass sie darauf bislang keine offizielle Reaktion erhalten hätten. „Das hat mich schon verwundert“, so Kahn. Dieser selbst sagte am Freitag: „Es gibt keine Stellen, wo Gespräche, die gewünscht sind, nicht geführt werden.“ Er sei intensiv auf Kritik eingegangen, konzentriere sich aber auf die Bistumsebene.