Bistum Aachen: Pfarrer soll 120.000 Euro veruntreut haben

Anklage erhoben : Pfarrer aus dem Bistum Aachen soll 120.000 Euro veruntreut haben

Ein Jahr nach dem Rücktritt von Pfarrer K. in Hückelhoven hat die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach nun Anklage gegen den Geistlichen erhoben. Doch was hat er mit dem Geld gemacht?

Der frühere Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven soll fast 120.000 Euro aus der Gemeindekasse veruntreut haben. Nachdem das Bistum Aachen den Fall im März 2018 öffentlich gemacht hatte, leitete die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ein Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer K. ein, das mittlerweile abgeschlossen ist. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen K. erhoben, wie ein Sprecher des Landgerichts Mönchengladbachs unserer Zeitung am Mittwoch bestätigte, der Vorwurf lautet Untreue.

Eine interne Untersuchung des Bistums hatte vergangenes Frühjahr ergeben, dass ein relevanter Betrag aus der GdG-Kasse entnommen worden war und ein Zusammenhang mit Pfarrer K.s Amtsführung bestehen könnte. Der Verdacht hat sich zwischenzeitlich erhärtet. In der Anklageschrift ist die Rede von 22 Überweisungen, die Pfarrer K. zwischen Januar 2017 und Februar 2018 unrechtmäßig veranlasst haben soll. Danach fehlten 119.355,72 Euro in der Gemeindekasse, wie der Gerichtssprecher erklärte.

Was ist mit dem Geld passiert?

Völlig unklar ist bislang, was mit dem Geld im Weiteren passiert ist. Weder der Gerichtssprecher noch K.s Anwalt wollten sich am Mittwoch dazu äußern. Ob K. das Geld für sich verwendet oder an Dritte weitergeleitet hat, blieb offen. Jedenfalls gelang es der Staatsanwaltschaft vergangenes Jahr, einen Teil des Vermögens von Pfarrer K. zu beschlagnahmen. Dabei handelte es sich um einen Betrag in etwa der gleichen Höhe, die Pfarrer K. der GdG-Kasse mutmaßlich zugefügt hat. Auch der Umstand, dass der Geistliche, Jahrgang 1963, offenbar über Vermögenswerte im sechsstelligen Bereich verfügte, wirft Fragen auf, die zunächst unbeantwortet bleiben.

K. hatte erst im März 2016 die Leitung der GdG Hückelhoven übernommen, vorher war er unter anderem als Militärpfarrer im Ausland tätig. Seit das Bistum ihn im März 2018 entpflichtet hat, zahlt es K. eine sogenannte Sustentatio, einen geringen monatlichen Unterhalt, von dem er lebt. Wo er mittlerweile wohnt, wollte das Bistum nicht sagen, nur so viel: Im Gebiet der GdG Hückelhoven lebt er nicht mehr, auch nicht in einer kirchlichen Einrichtung.

Das Amtsgericht Mönchengladbach entscheidet in den kommenden Wochen darüber, ob die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen wird. Erst dann würde ein Termin für den Prozessauftakt festgelegt.

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