Aachen: Bischof setzt Widerspenstigen letzte Frist

Aachen: Bischof setzt Widerspenstigen letzte Frist

Ganz buchstäblich wächst der Druck: Mit ihrer neuen Broschüre „Kirche in Rufnähe” wollen Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum über Gründe, Gangart und Gebote der historischen Reform des Bistum Aachens aufklären.

Bis zum Ende des Jahres müssen die derzeit knapp 540 Gemeinden in 71 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) aufgehen. 160 Pfarren sollen zu 45 fusionieren.

„Bis 2030 wird die Zahl der Katholiken von jetzt 1,1 Millionen auf 830.000 sinken”, sagte von Holtum am Freitag. „Und gerade mal jeder zehnte Katholik besucht den Sonntagsgottesdienst.” Gleichzeitig bliebe von 446 Priestern des Jahres 2002 in 20 Jahren nicht mal ein Viertel übrig.

Doch der zwangsläufige Verschlankungsprozess in der Diözese, der nach der Jahrtausendwende angesichts existenzieller finanzieller Nöte verordnet wurde, lief auf der Ebene der Pfarrgemeinden nur schleppend an. So weigern sich noch 190 Gemeinden, ihre Finanz-, Personal, Bau- und Liegenschaftsangelegenheiten von einem der vier speziell dafür gegründeten Verwaltungszentren betreuen zu lassen.

Und auch die Gründung der Kirchengemeindeverbände blieb vielerorts auf der Strecke. Die bekommen aber vom Generalvikariat - statt der Pfarren - ab 2010 als neue Anstellungsträger das Geld zur Entlohnung des rund 2700-köpfigen Gemeindepersonals vom Organisten bis zur Putzhilfe.

„Es wird keine kirchengemeindlichen Angestellten bei den einzelnen Pfarreien mehr geben”, betonte Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Hauptabteilungsleiter für Pastoral, Schule und Bildung. Zusätzlich wechseln die 1800 Erzieherinnen der 20.000 Kinder in 300 katholischen Kindertagesstätten den Arbeitgeber. Auch diese Mitarbeiter/innen sollen nicht mehr von Pfarren, sondern zentral auf der Ebene der Verwaltungszentren geführt werden. „Das ermöglicht höhere Flexibilität beim Personaleinsatz und sichert damit Arbeitsplätze”, sagte Cremer.

In die Pfarrkassen überweist das Generalvikariat aus Kirchensteuermitteln nach wie vor Gelder für Sachkosten und Zuschüsse zur Instandsetzung kirchlicher Gebäude - soweit sie für seelsorgerische Aufgaben benötigt werden. Das Gesamtbudget für Pfarren will von Holtum trotz sinkender Einnahmen bis 2013 auf jährlich 48,8 Millionen Euro einfrieren.

Bekannt wurde überdies, dass viele Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände im Herbst 2009 zum letzten Mal gewählt werden. Auch hier streben Bischof und Generalvikariat ab 2013 eine „verschlankte Gremienstruktur” gemäß der fusionierten und in GdGs gesammelten Pfarrbasis an.

Neben den Chancen der Bistumsreform sehen Kritiker wie Dürens Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz weiterhin Probleme der Mammutreform: „Das hört sich alles toll an. Aber die Frage ist doch, wie man das gerade in Pfarren auf dem Land umsetzt, wo man sich mit Zentralisierungen schwer tut.” Viele Ehrenamtler seien in Sorge, dass ihre lebendige Pfarrstruktur zerschlagen werde, sagte von Danwitz.

Gerade an diese Adressen sei die neue Broschüre „Kirche in Rufnähe” gerichtet, betonte Bistumssprecher Franz Kretschmann. Neben Erläuterungen und konkreten Vorgaben seien darin auch Ansprechpartner für alle Fragen zur Reform verzeichnet, sagte er.