Aachen: Bilder, die zum Schweigen bringen

Aachen: Bilder, die zum Schweigen bringen

Am Ende sind es die Bilder, die die Menschen im proppenvollen Audimax an der RWTH zum Verstummen bringen. Diese unglaublichen Aufnahmen, die die vier Astronauten der vorletzten Space Shuttle-Mission aus dem Inneren der Internationalen Raumstation (ISS) nach Aachen mitgebracht hatten.

Astronauten, die versuchen, in der Schwerelosigkeit einen Tropfen Wasser zu fassen. Die durch die langen, schmalen Röhren der ISS schweben; die Apparate reparieren und lachen; die durch die Fenster des menschlichen Außenpostens im All mit kindlicher Faszination auf das von Sternen gesäumte Firmament und die unfassbare Weite dahinter starren. Die bestaunen, wie still die ISS im All steht, während unten die Erde mit 27.000 Stundenkilometer vorbeirast.

Wie schaut ein Mensch aus, der schon einmal im Weltraum gewesen ist? Strahlt er Wichtigkeit aus, hat er den besonderen Glanz in den Augen? Alles, nur das nicht. In den blauen Nasa-Overalls sehen Gregory Johnson, Michael Fincke, Andrew Feustel und Roberto Vittori eher wie Piloten aus, Militärpiloten vielleicht. Klar, sie werden gefeiert, mit frenetischem Beifall begrüßt. Im Mai haben sie nicht nur die vorletzte Space Shuttle-Mission an Bord des mittlerweile eingemotteten Raumschiffs „Endeavour” zu einem erfolgreichen Ende gebracht, sondern auch ein wichtiges Stück Technik ins Weltall. An Bord hatten sie ein 1,5 Milliarden Euro teures Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS), das maßgeblich von der RWTH mitentwickelt worden ist und der Erforschung der Grundlagen unseres Seins dient.

Leibhaftige Astronauten sieht man ja auch nicht jeden Tag. Ihr Auftritt ist erfrischend frei von Pathos und Dünkel. Vorher gibts einen Empfang mit Professoren, nachher einen mit Professoren und Schnittchen. Nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms sind die vier momentan in der Warteschleife, sie warten auf eine mögliche weitere Mission ins All. Die Wartezeit nutzen sie, um Werbung in eigener Sache zu machen, Werbung für die bemannte Raumfahrt, für Wissenschaft und Forschung. Ihre Tour führt sie gerade durch Europa, am Wochenanfang waren sie in Berlin, am Mittwoch in Aachen, Freitag sind sie in Karlsruhe.

Gregory Johnson, Pilot und Chef an Bord der „Endeavour”, sagt, dass er und seine Kollegen unterwegs sind, um junge Menschen zu ermutigen, neugierig zu sein, zu forschen und zu entdecken, darum gehe es, „the future is out there, its yours”, die Zukunft liegt da draußen im All, sie gehört Euch. Und wie er da so bescheiden in seinem blauen Overall vor all den vielen Studenten im Audimax steht, geschätzt werden es 1300 gewesen sein, glaubt man ihm und seinen Kollegen aufs Wort. „Die Erde ist so unglaublich schön und friedlich, wenn man sie von oben betrachtet. Und trotzdem führen die Menschen Kriege”, sagt Michael Fincke, der US-Astronaut, der insgesamt die meiste Zeit im All verbracht hat, mehr als 378 Tage sind es bis heute. Fincke sagt, statt Krieg zu führen, sollen die Menschen sich lieber zusammentun, gemeinsam forschen, gemeinsam entdecken, gemeinsam zu neuen Ufern aufbrechen. So einfach, diese Botschaft. So überzeugend.

Suche nach Ursprüngen des Universums

Das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) fängt auf der ISS die kosmische Strahlung ein, in der man Antimaterie und Dunkle Materie zu finden hofft. Der Nachweis ihrer Existenz würde die Vorgänge beim Urknall besser - und die Entstehung von Materie überhaupt erklären können.

Mit Ergebnissen ist erst in Jahren zu rechnen, allein seit Beginn der Mission Mitte Mai sind über sieben Milliarden Daten zu Erde gefunkt worden. Herzstück der sieben Tonnen schweren AMS ist ein Spurdetektor, der maßgeblich am 1. Physikalischen Institut der RWTH entwickelt wurde. Prof. Stefan Schael ist auch Koordinator aller deutschen Beiträge des 1,5 Milliarden Euro teuren Projekts.(abt)

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