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Aachen: Bevölkerungsentwicklung: Verliert die Region auf der ganzen Linie?

Aachen : Bevölkerungsentwicklung: Verliert die Region auf der ganzen Linie?

Für die Region sieht es nicht gut aus. Sollten sich die Prognosen der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Bevölkerungsentwicklung erfüllen, wird die Region bis 2030 auf der ganzen Linie verlieren: Ein nicht zu übersehender Bevölkerungsrückgang verbunden mit dramatischer Überalterung drohen schon in den kommenden 15 Jahren.

Die Bertelsmann-Aussage „Die Städte wachsen, die Dörfer schrumpfen“ trifft auf die Region nicht zu. Im Gegenteil, hier lassen die Zahlen nur einen Schluss zu: Nicht nur die Dörfer schrumpfen, sondern auch die Städte.

In Aachen, die mit Abstand größte Stadt der Region, soll die Bevölkerung um 3,6 Prozent zurückgehen. Düren muss als zweitgrößte Stadt mit einem moderaten Rückgang von 0,5 Prozent rechnen, Stolberg als drittgrößter Stadt droht ein Minus von 4,1 Prozent.

Nur wenige Städte können überhaupt den Bertelsmann-Berechnungen zufolge mit Zuwächsen rechnen: Wassenberg (+7,8 Prozent), Geilenkirchen (+2,5), Gangelt (+2,4), Erkelenz und Eschweiler (jeweils +1,4). Dagegen stehen zu erwartende dramatische Rückgänge in den ländlichen Kommunen der Region: minus 7,6 Prozent in Monschau, minus 6,1 Prozent in Hürtgenwald, minus 5,4 Prozent in Titz und minus 5,1 Prozent in Übach-Palenberg.

Erhoben wurden die Zahlen aus den amtlichen Statistiken der Jahre 2009 bis 2012. Daraus wurde eine Betrachtung in Bezug auf das Jahr 2030 gezogen. Dass sich mittlerweile vieles auch schon wieder geändert hat, berücksichtigt die Prognose nicht, zum Beispiel durch Zuzüge in fertiggestellte Neubaugebiete, aber auch von Flüchtlingen. So ist es zum Beispiel in Hürtgenwald. Die Gemeinde verzeichnet zurzeit mehr Geburten und Einwohner als noch vor einem Jahr. „Die jungen Leute gehen weg, aber sie kommen wieder“, sagt Bürgermeister Axel Buch. Er verweist auf die Pluspunkte von Hürtgenwald: 100 Prozent Bedarfsdeckung bei den Kitaplätzen, ein sehr gutes Schulsystem von der Grundschule bis zum Abitur, sehr gute ärztliche Versorgung.

Aber nicht nur der Bevölkerungsrückgang malt ein düsteres Bild für die Region, auch die drohende, teils dramatische Überalterung der Gesellschaft lässt die Städte und Gemeinden aufhorchen. Zum Beispiel Nörvenich: Die Gemeinde im Kreis Düren ist in der Bertelsmann-Studie diejenige mit der eklatantesten demografischen Entwicklung. Die Zahl der über 80-Jährigen soll sich dort bis 2030 verdoppeln. Das ist zum Teil gewollt, wie der stellvertretende Bürgermeister sagt. Wolfgang Schauf: „Wir wollen, dass Menschen, die seit über 40 Jahren in Nörvenich leben, auch hier alt werden können.“ Es wurden Altenwohnungen gebaut, „damit die Leute nicht in die Städte abwandern“. Seit kurzem kann sich Nörvenich aber auch über Zuzüge junger Familien aus Frechen, Köln und Pulheim in ein großes Neubaugebiet freuen.

Preiswertes Wohnen und dazu noch Arbeit sind das Geheimnis der Stadt Baesweiler. Steuern, Gebühren und Grundstückspreise werden hier bewusst niedrig gehalten, sagt Bürgermeister Willi Linkens. Das zieht junge Familien und Investoren an. Anfang nächsten Jahres kann Baesweiler mit insgesamt 4000 Arbeitsplätzen in seinem Gewerbegebiet punkten.

Mehr Gewerbegebiet, das hätte auch die Gemeinde Roetgen gerne. Ein drohender Zuwachs der über 80-Jährigen von 75,7 Prozent und null Zuzüge machen der Gemeinde am Rand der Eifel zu schaffen. „Wir sind jetzt noch eine beliebte Schlafkommune mit guter Anbindung“, sagt Dirk Recker, der stellvertretende Bürgermeister. Doch wie geht es weiter? Die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Werben um junge Familien gestalten sich schwierig. Ohne Auto geht in Roetgen gar nichts, und die Anbindung von geplanten gewerblichen Flächen an die Bundesstraße 258 wird von allen möglichen Seiten torpediert.

Der demografische Wandel macht es überdeutlich: Städte und Gemeinden müssen mit Standortfaktoren einen Vorsprung schaffen. Die Konkurrenz untereinander wird dadurch nicht weniger.