1. Region

Reise mit Aachener Unternehmen: Betrunkener Autofahrer tötet sechs junge Skiurlauber

Reise mit Aachener Unternehmen : Betrunkener Autofahrer tötet sechs junge Skiurlauber

In Südtirol hat ein betrunkener Autofahrer sechs junge Menschen getötet – vier davon stammten aus NRW. Sie waren im Wintersporturlaub mit einem Reiseveranstalter aus Aachen. Elf weitere Touristen wurden verletzt.

Ein betrunkener Autofahrer ist in eine Gruppe deutscher Skitouristen in Südtirol gerast und hat sechs junge Menschen getötet. Die Urlauber im Alter um die 20 Jahre seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigten Polizei und Feuerwehr. Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Frauen und drei Männer, vier von ihnen stammen aus NRW. Die Angehörigen der Opfer seien auf dem Weg nach Italien. Die Toten sind im Krankenhaus von Bruneck.

Der Aachener Reiseveranstalter, über den einige Beteiligte die Reise in das beliebte Skigebot gebucht hatten, teilte auf seiner Website mit, dass er tief bestürzt sei. „Wir sind in tiefer Trauer über dieses furchtbare Ereignis. All unsere Kräfte, Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, und ihren Familien und Freunden“, teilte „Outdoor Travelers“ mit.

Die Überlebenden des Unglücks würden noch am Sonntag abreisen. Elf Menschen seien verletzt worden. Vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten, ein Mensch kämpfte ums Überleben. Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

Zwölf Jahre Haft

Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken, als er die Touristen tötete. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Das habe auch ein Bluttest bestätigt. Der Mann, ein 27-Jähriger aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Er steht laut Polizei unter Schock. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Dem Mann drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft.

Der Unfallfahrer sei im Krankenhaus auch in psychologischer Behandlung von Spezialisten, sagte ein Polizeisprecher in Bozen. Medien in Italien hatten berichtet, der Mann aus dem Südtiroler Ort Kiens sei in der Psychiatrie. Er habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe.

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Luttach und des italienischen Roten Kreuzes sind an einer Unfallstelle in der Nähe von Bruneck in der Gemeinde Ahrntal in Südtirol zu sehen. Foto: dpa/-

Die Gruppe war in den Skiferien und in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen die jungen Leute aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße, wie ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Das Auto sei viel zu schnell unterwegs gewesen.

Ihre Unterkunft lag ganz in der Nähe der Unfallstelle. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus. Die Toten müssen noch abschließend identifiziert werden. Die meisten Opfer kamen aus Nordrhein-Westfalen, wie Ministerpräsident Armin Laschet bekannt gab. „Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig“, schrieb er auf Twitter. „Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land.“ Die jungen Menschen „wollten gemeinsam eine gute Zeit erleben - und wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Ministerpräsident <a href="https://twitter.com/ArminLaschet?ref_src=twsrc%5Etfw">@ArminLaschet</a> zum schweren Unglück in <a href="https://twitter.com/hashtag/S%C3%BCdtirol?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Südtirol</a>. <a href="https://twitter.com/hashtag/Luttach?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Luttach</a> <a href="https://t.co/TFhET71dZi">pic.twitter.com/TFhET71dZi</a></p>&mdash; Staatskanzlei NRW (@landnrw) <a href="https://twitter.com/landnrw/status/1213798716433453056?ref_src=twsrc%5Etfw">January 5, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Twitter. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Die Opferschutzbeauftragte des Landes werde nun den betroffenen Familien in NRW beistehen. Laschet dankte dem Landeshauptmann von Südtirol, den Rettungskräften, der Polizei, den Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern in Italien und Österreich.

Für die Familien der Opfer beginne das neue Jahr mit dem größtmöglichen Schrecken, sagte Laschet. „Ich kann das nachempfinden, weil auch meine eigenen Kinder oft im Skiurlaub mit einer Gruppe waren. Und wenn ich mir vorstelle, mich würde dann eine solche Nachricht ereilen, dann kann man nachempfinden, was im Moment die Eltern, die Geschwister, die Freunde in diesen Stunden empfinden.“

Die Opfer des schweren Verkehrsunfalls in Südtirol kommen nach Angaben Laschets aus unterschiedlichen Städten. Ein Opfer soll aus Köln, ein weiteres aus Dortmund stammen. Auch zwei Wuppertaler sollen unter den Todesopfer sein, wie das Innenministerium berichtet. Die Identifizierung ist laut Polizei schwierig, weil die Angehörigen der Gruppe sich untereinander nicht gekannt und einige keine Ausweise dabei gehabt hätten.

Entsetzen in Südtirol

In der Touristenregion herrschte Entsetzen: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. „Wir sind alle geschockt.“ Das Auswärtige Amt teilte in Berlin mit, der Deutsche Generalkonsul aus Mailand, Claus Robert Krumrei, sei vor Ort. Der Deutsche Botschafter Viktor Elblin sei auf dem Weg von Rom aus an die Unglücksstelle. Mitarbeiter des Generalkonsulats unterstützten die italienischen Behörden bei der Betreuung der Betroffenen.

Kanzlerin Angela Merkel erklärte über ihren Sprecher: „Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekundete den Familien sein Beileid: „Der Unfall in Südtirol hat auf furchtbare Weise das Leben von sechs jungen Menschen ausgelöscht, die unbeschwerte Urlaubstage verbringen wollten.“

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun auch, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Die meisten Todesopfer des schweren Verkehrsunfalls in Südtirol stammen nach derzeitigen Erkenntnissen aus Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte, 160 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr schilderte der „Tageszeitung Online“ schlimme Szenen: „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“

Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer „Katastrophe“, wie sie das Tal noch nie erlebt habe. „Wir sind fassungslos“, sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Gleichzeitig rief er zu einer „fairen Berichterstattung“ auf, dass der Unfall keinen „großen Schatten für die Zukunft auf unsere Talschaft wirft“.

In Südtirol kamen erst vor einer Woche mehrere Deutsche ums Leben: Am vergangenen Samstag verschüttete eine Lawine Skifahrer auf der Piste im Schnalstal. Eine Deutsche Mutter mit ihrer Tochter aus Thüringen und ein Mädchen aus Eschweiler starben.

Für Angehörige und Freunde der Opfer haben die Behörden eine Bürgernummer eingerichtet: +39 0471/551155

Anmerkung der Redaktion: Aus Rücksichtnahme für die Angehörigen ist die Kommentarfunktion unter diesem Artikel deaktiviert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Trauer nach tödlichem Unfall in Südtirol

(red/dpa)