Angeblich bis zu 100 Millionen Euro Schaden: Betrug mit gefälschten Oldtimern in Aachen aufgedeckt?

Angeblich bis zu 100 Millionen Euro Schaden : Betrug mit gefälschten Oldtimern in Aachen aufgedeckt?

Der Polizei in Aachen ist in Zusammenarbeit mit Ermittlern in mehreren anderen Bundesländern offenbar ein Schlag gegen einen mutmaßlich groß angelegten Betrug mit gefälschten Oldtimern, sogenannten „Classic Cars“, gelungen. Bei einer Großrazzia wurde dabei in der vorigen Woche in Aachen ein 48-jähriger Geschäftsmann verhaftet, der im Verdacht steht, einer der Köpfe einer international agierenden Bande zu sein.

Für manchen Automobilliebhaber sind sie ein Traum: Oldtimer von Porsche, Ferrari, Maserati, Mercedes, Bugatti und von vielen anderen Herstellern mit einst oder immer noch klangvollen Namen. Mancher würde einiges dafür geben, nur einmal eine Runde in einem jener selten – ob für die Straße oder die Rennstrecke – gebauten und noch seltener erhaltenen automobilen Schätze zu drehen. Für die allermeisten Autofreaks bleibt das ein Traum. Weil ihnen dazu das nötige Kleingeld fehlt. Doch es gibt auch Menschen rund um den Globus, die diese finanziellen Mittel zur Genüge haben.

Riesige Summen werden bezahlt

Für ein Original legen sie bisweilen mehrere Millionen Euro auf den Tisch. Als Beispiel mag der Porsche 550 Spyder aus den 1950er Jahren dienen, der nur rund 100 Mal hergestellt wurde. Mit einem davon fuhr James Dean in den Tod. Der Wagen kostete 24.000 D-Mark. Was damals viel Geld war, heute jedoch lächerlich wenig klingt. Die verbliebenen Exemplare des Sportwagens haben einen Schätzwert zwischen fünf und sieben Millionen Euro. Anderes Beispiel: Ein Ferrari 250 GTO, 36 Mal gebaut, erzielte 2018 bei einer Auktion den Kaufpreis von über 40 Millionen Euro und kostete neu einst 18.000 Dollar. Das mag belegen, welche Geldsummen im Markt der „Classic Cars“ bewegt werden. Was wiederum der Grund sein dürfte, warum es in diesem Bereich eine offenbar weltweit agierende kriminelle Szene gibt.

In dieser Szene sollen solche Schätze und die dazugehörigen Fahrzeugpapiere gefälscht werden. Die vormaligen Schrottautos, die nun beispielsweise auf Porsche-Oldtimer getrimmt wurden, werden dann als vermeintliche Originale an betuchte Interessenten verkauft. In diesem Zusammenhang hat es jetzt eine Großrazzia mehrerer Ermittlungsbehörden gegeben. Mittelpunkt: Aachen. Dabei wurde ebenfalls in Aachen ein 48-jähriger Geschäftsmann verhaftet, den die Behörden verdächtigen, Drahtzieher solcher Geschäfte gewesen zu sein.

Vergangenen Mittwoch wurden zeitgleich in Aachen und Umgebung, aber auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg 18 Wohnungen und Firmen durchsucht. Das bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft. Es werde wegen des Verdachts des „banden- und gewerbsmäßigen Betruges“ ermittelt. „Der Gruppierung wird vorgeworfen, sich zusammengeschlossen zu haben, um schrottreife Oldtimer- und Rennfahrzeuge wiederaufzubauen bzw. Replikate solcher Fahrzeuge herzustellen, sie mit deutschen Zulassungspapieren zu versehen und sie sodann als angebliche Originalfahrzeuge gewinnbringend zu veräußern“, heißt es. Bei der Razzia sei „umfangreiches Beweismaterial sichergestellt“ worden. Mehr sagen die Ermittler derzeit nicht.

Nach Informationen unserer Zeitung waren unter diesen Beweismitteln eben auch derlei mutmaßlich gefälschte Oldtimer. Nicht bestätigen wollen die Behörden, dass es alleine im aktuellen, unter anderem in Aachen spielenden Fall um eine Schadenssumme von rund 100 Millionen Euro gehen soll. Unter Insider hält man diese Summe jedoch womöglich nur für die Spitze eines Eisbergs. Es sei gut möglich, dass noch viel mehr Geld im Spiel sei. Nach Informationen unserer Zeitung sollen auch Personen in die mutmaßlich kriminellen Geschäfte verwickelt sein, die nicht direkt mit der „Fahrzeugherstellung“, sondern einerseits mit der Geld- und Materialbeschaffung für die Fälschung eines Oldtimers und andererseits mit der Vermittlung an potenzielle Käufer zu tun haben.

Weiteren Informationen unserer Zeitung zufolge wird in diesem „Geschäftsfeld“ nicht nur viel Geld mit dem Verkauf gefälschter Automobilraritäten verdient, sondern auch mit der Herstellung der gefälschten Papiere. Diese sollen demnach unter anderem dergestalt auf alt „getunt“ werden, dass man sie zeitgemäß auf Schreibmaschinen aus der entsprechenden Epoche beschriftet. Auf Basis dieser Papiere können dann die falschen Oldtimer entstehen. Was beim besagten Ferrari 250 GTO nicht geht, weil alle 39 Originale noch erhalten sind, funktioniert bei anderen Fahrzeugen sehr wohl. So sollen Lücken in den damals vergebenen Reihen der Fahrgestellnummern, die nicht immer durchlaufend waren, genutzt werden. Somit soll es Fälschungen geben, deren Fahrgestellnummern vermeintlich einem Original gehören, welches jedoch mit diesen Nummern nie gebaut wurde. Heutzutage sollen zudem gleich mehrere für Millionen verkaufte, vermeintlich echte Raritäten mit ein und derselben Fahrgestellnummer unterwegs sein.

Verdacht keimte schon früher

Im Aachener Fall geht es insbesondere um Porsche-Fahrzeuge, teils mit Straßenzulassung, teils als reine Rennwagen gebaut. Durchsucht wurden in dem Zusammenhang dem Vernehmen nach Gebäude in Aachen, in der Städteregion, in Düsseldorf und Leverkusen.

Die Verdächtigen sollen Fahrzeuge auch in die USA und nach Japan verkauft haben. Dabei war offenbar so viel Geld unterwegs, dass das Gericht nach Informationen unserer Zeitung für den in U-Haft sitzenden 48-jährigen Aachener wegen Fluchtgefahr sogar eine Freilassung auf Kaution in Millionenhöhe abgelehnt hat.

Dem Vernehmen gab es den Verdacht gegen die jetzt im Fokus stehende Gruppe bereits seit zwei Jahren. Damals sollen bei einer Porsche-Auktion Fahrzeuge aufgetaucht sein, deren Papiere und Fahrgestellnummern sich als gefälscht herausstellten. Insider sagen indes, dass die Betrugsmasche weltweit schon sehr lange laufe. Bei dem, was man damit verdienen kann, würde das kaum verwundern. Und mancher, der sich für Millionen seinen automobilen Lebenstraum in die Garage gestellt hat, besitzt in Wirklichkeit nur – wenn auch aufwendig – aufgemöbelten Schrott.