Besuch im Anwesen, das Konrad Adenauers Wochenendhaus werden sollte

Tief im Wald: Das Haus, das Adenauer nicht haben wollte

Das Anwesen, das mal Konrad Adenauers Wochenendhaus werden sollte, liegt tief im Wald auf einem Plateau in 600 Metern Höhe. Ilse Thurner hat die Ruine des Adenauer-Hauses samt 2000 Quadratmeter großem Grundstück nahe Duppach in der Vulkaneifel im vergangenen Jahr geerbt.

Jetzt versteigert sie das verfallene Gebäude in „unfassbar wunderbarer Lage“ und wundert sich ein bisschen über das große Interesse daran.

Dutzende Gebote seien bereits bei ihr über eine seit wenigen Tagen auf der Online-Auktionsplattform Ebay geschaltete Anzeige eingegangen. Das Höchstgebot liege derzeit bei 35.000 Euro. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hätte das Grundstück auch für zehn Euro abgegeben“, sagte die Unternehmens- und Personalberaterin in Solingen, die in Duppach geboren wurde. Und der Preis könnte weiter steigen. Die Auktion geht noch bis zum 22. Januar 18 Uhr. Dann bekommt der Höchstbietende den Zuschlag.

Das Angebot des Scheichs

Das Haus, das auch „Adenauer-Villa“ oder „Camp Konrad“ in Anspielung an den Landsitz der US-Präsidenten in Camp David genannt wurde, war nie fertiggestellt worden. Im Sommer 1955 hatte der damalige AEG-Vorstandschef Friedrich Spennrath, ein guter Freund Adenauers, den Bau des Hauses mit einer Wohnfläche von rund 600 Quadratmetern beantragt. Das dreigeschossige Flachdachhaus im Bauhausstil, eigentlich als „Wochenend-, Jagd- und Gästehaus“ geplant, sollte Konrad Adenauer zu privaten Zwecken zur Verfügung gestellt werden.

Am Entwurf arbeitete laut Bauplänen der Architekt Heribert Multhaupt mit, Adenauers Schwiegersohn. Als Adenauer von dem Vorhaben erfuhr und die Presse über Klüngel und Filz schrieb, wurde das Bauprojekt 1956 gestoppt. „Adenauer hatte Wind von der Sache bekommen und wollte das Objekt nicht haben“, sagt Architekt Roland Thelen aus Mehren, der die Baugeschichte über Jahrzehnte verfolgt hat. „Adenauer hatte auch mit Jagd nichts am Hut.“

Die Baukosten schätzt Thelen auf mehrere Hunderttausend Mark. Der Rohbau sei komplett gewesen, auch „haustechnische Installationen“ habe es bereits gegeben. „Fenster waren drin, die erste Dach­lage war abgeklebt.“ Ein Bunker im Keller und ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach seien entgegen anders lautender Gerüchte aber nicht vorgesehen gewesen, sagt Thelen, der die Baupläne vorliegen hat. Seit dem Baustopp verfällt das Haus im Wald.

Es ist ein Schild mit "Betreten verboten, Lebensgefahr!" an dem Haus befestigt. Foto: dpa/Harald Tittel

Das Grundstück umgeben von Staatsforst sei wegen seiner Historie „etwas ganz Besonderes“, sagt Besitzerin Thurner. Ihr Vater hatte es 1980 zusammen mit anderen Grundstücken erworben und nach seinem Tod im Frühjahr 2018 Thurner vermacht. Sie will es nicht behalten: „Ich wohne in der Nähe von Düsseldorf und bin nur einmal im Jahr vor Ort“, sagt die 58-Jährige.

Sie wünsche sich nun, „dass das Grundstück in gute Hände kommt“. Denkbar sei eine Nutzung zu Freizeitzwecken wie Camping. Gebote seien nicht nur aus der Eifel, sondern aus ganz Deutschland eingegangen. „Es gibt Leute, die wollen es nur haben wegen der Geschichte.“ Auch eine Anfrage aus den Vereinigten Arabischen Emiraten habe es gegeben: Ein Scheich habe anfragen lassen, ob er es direkt kaufen könne. „Das ging aber nicht“, sagt Thurner. Er müsse bieten und sein Gebot notariell beurkunden lassen wie alle anderen auch.

Ein zwei Meter hoher Zaun

Ein Einblick in das Innere des Hauses. Foto: dpa/Harald Tittel

Mehr als 35.000 Mal sei ihr Inserat im Internet bereits angeklickt worden, sagt Thurner, die das Haus ursprünglich mit einem Startgebot von einem Euro auf Ebay versteigern wollte. „Man kann Grundstücke und Häuser aber nicht über diesen Kanal versteigern, weil es notarieller Beurkundung bedarf.“ So werden die Interessenten nun über die Anzeige zu ihr geleitet und können über eine Mailadresse mitbieten.

„Das Grundstück ist kein Baugrundstück. Und das Haus ist in seinem jetzigen Zustand nicht nutzbar“, sagt Thurner. Nach Angaben des Landschaftsverbandes Rheinland hat der Ort in der Vergangenheit immer wieder neugierige Wanderer angezogen, die sich für „die Spuren der Anlage und die mit ihr verbundene besondere Episode der deutschen Nachkriegsgeschichte“ interessierten. Heute ist das Gemäuer nicht mehr zugänglich: Aus Sicherheitsgründen ist es von einem zwei Meter hohen Zaun umgeben.

Mehr von Aachener Zeitung