Annes Welt: Besuch beim Picknick

Annes Welt : Besuch beim Picknick

Es ist wieder so weit: Andere picknicken – ich panicke. Meine Freundin lässt sich auf die Picknickdecke fallen wie Heidi ins Heu. Und ich stehe daneben und checke erst mal, ob die Luft rein ist.

Gerade denke ich noch „Früher war mehr Umsichschlagen“ – und schon geht’s los. Als ob ich wie ein Fluglotse mit Winkbewegungen die Viecher zu uns schleusen würde.

Meine naturverbundene Freundin beruhigt: „Wespen sind nützlich. Sie vertreiben Flusspferde. Wenn uns also kein tonnenschweres Flusspferd an der Vennbahn kurz vor Kornelimünster auflauert, liegt das vermutlich an den Wespen.“ Aha! Erst war es ja nur eine, aber die muss wohl spontan eine Großveranstaltung organisiert haben, zu der 100 andere zugesagt und diese unter dem Hashtag „Panik-Picknick“ geteilt haben. Und alle wollen nur zu mir.

Nein, es sind keine Hummeln, die „dumdidum … ich bin dick und rund – oh sorry, ich wollte dich nicht anrempeln …“, mich umkreisen. Und auch keine Bienchen, die zwischendurch einfach mal „Hallo“ sagen wollen. Wespen sagen nicht „Hallo“. Wespen drohen: „Ey, du Opfer, ich werde dir jetzt auch mal richtig krass dein Picknick versauen, denn ich bin übelst gereizt – wegen meiner Chefin, die mich ständig rumkommandiert. Ich stech dich gleich ab … Attacke!“

Immer ich – egal ob im Biergarten oder in der Eisdiele. Mittlerweile sage ich zur Bedienung schon: „Ich hätte gerne fünf Wespen mit Sahne.“ Und die fragt dann zurück: „Spaghetti-Eis dazu?“

Nein, die Natur ist keine Schönwetterveranstaltung. Vor allem dann nicht, wenn man mit einem seiner Tierchen ein Bett im Kornfeld temporär teilen möchte. Und auch mit Mücken ist nicht zu spaßen. Mich hat vor Jahren mal eine in den Bauch gestochen. Die Schwellung ist bis heute noch da. Warum hat es die Evolution eigentlich nach all den Jahren noch nicht geschafft, eine Kreuzung zwischen Mücken und Glühwürmchen hervorzubringen? Dann könnte man im Dunkeln wenigstens erkennen, wo man hinschlagen muss.

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