Aachen: Bestatter-Messe: Im Ferrari-Sarg ins Jenseits

Aachen: Bestatter-Messe: Im Ferrari-Sarg ins Jenseits

Beschleunigen soll der Ferrari-Sarg den Weg ins Jenseits natürlich nicht. Er ist vielmehr Ausdruck einer Bestattungskultur, die auch in Deutschland mehr und mehr auf Individualität setzt. 840.000 Menschen sterben hierzulande Jahr für Jahr, allein 2300 in Aachen. Anders formuliert: Es gibt alle vier Stunden einen Toten in der Stadt.

Viele haben sich schon zu Lebzeiten ganz genau überlegt, wie ihre letzte Reise aussehen soll. Und wie das Vehikel dazu auszusehen hat. Särge in allen erdenklichen Varianten - rote Ferraris, Rolls Royces und sogar Ballettschuh-Coffins - werden jährlich beim International Funeral Award (IFA) prämiert.

2008 machte die große Abschluss-Gala im edlen Hilton-Hotel in Antwerpen aber nicht nur Schlagzeilen, weil einige Hotelgäste einen Massenexodus befürchteten, da reihenweise Leichenwagen der IFA-Aussteller in der Hotelgarage geparkt waren. Aufmerksamkeit erzielten die Macher vor allem deswegen, weil sie innovative Neuheiten ihrer Branche auf dem schmalen Grat zwischen Profit und Pietät präsentieren.

„So skurril das eine oder andere Ausstellungsstück auch erscheint, im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse des Verstorbenen und der Angehörigen”, betont die Aachener Bestattungsunternehmerin Anne Moos. Mit ihrer Tochter Mira organisiert sie am Sonntag zum vierten Mal die Präsentation der deutschen IFA-Kandidaten im Aachener Casino.

Vormittags bewertet die Jury, wer zum IFA-Finale nach Aarchot geladen wird. Nachmittags darf die Öffentlichkeit einen Blick riskieren. Zu sehen ist dann neben dem Sarg im originalgetreuen und offiziell lizensierten Ferrari-Lack auch ein glitzernder Swarovski-Sarg. „An den Drehkreuzen des Sarges sind 24 wertvolle Swarovski-Steine platziert, die nach der Beerdigung zum Gedenken an den Verstorbenen an trauernde Angehörige verteilt werden können”, erklärt Mira Moos.

Weiterhin gibt es umweltfreundliche Papiersärge, ungewöhnliche Porzellan-Engelsurnen und Urnen in Herzform sowie Schiff-Skulpturen, die man zu Lebzeiten als Kunstwerk im Garten präsentieren und nach dem Ableben zum Asche-Behältnis umfunktionieren kann.

„Im Wettbewerb sind aber auch Experten, die spezielle Trauerbegleitung für Kinder anbieten”, sagt Moos. Name des Programms: „Gibts im Himmel auch Spaghetti?” Nicht ganz neu auf dem Markt sind individuell bemalte oder bedruckte Särge mit allen erdenklichen Motiven. „Es zeichnet sich ab, dass viele Hersteller auf Deckblatt-Motive mit Michael Jackson setzen”, verrät die Expertin.

Übrigens: Auch der Verein Deutsche Bestattungskultur wirbt nach dem Motto „Wer nicht wirbt, stirbt!” für die deutsche Bestattungsindustrie. Der macht nämlich nicht die zunehmende Zahl preiswerter Urnenbestattungen zu schaffen, sondern vor allem die billige Konkurrenz in den Niederlanden. Da wurde der International Funeral Award übrigens vor elf Jahren erfunden.

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