Aachen: Bergbau-Experten: Hambacher Forst ist nicht zu retten

Aachen: Bergbau-Experten: Hambacher Forst ist nicht zu retten

Die Reste des Hambacher Forsts am Tagebau Hambach sind nicht mehr zu retten. Das erklärten diese Woche drei unabhängige Experten auf Anfrage unserer Zeitung.

„Selbst wenn die Politik beschließen würde, noch heute aus der Braunkohle auszusteigen, müssten die Tagebaue um einige Hundert Meter in alle Richtungen vergrößert werden, um die Böschungen so abzuflachen, dass sie in den kommenden Jahrhunderten stabil bleiben“, sagte Andreas Nörthen von der Bezirksregierung Arnsberg, ranghöchster Bergbaubeamter in Nordrhein-Westfalen.

Christian Niemann-Delius, emeritierter Bergbau-Professor der RWTH Aachen, und ein weiterer Wissenschaftler, der wegen der aufgeregten Diskussion um die Zukunft der Braunkohle seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bestätigen Nörthens Einschätzung.

Die Bundes-Grünen, Umweltschutzverbände und Bürgerinitiativen fordern derzeit ein „Braunkohle-Moratorium“, so lange die Kohlekommission der Bundesregierung daran arbeitet, die Eckpunkte für den Kohleausstieg und den Strukturwandel festzulegen. Das eigentliche Ziel der Grünen und der Umweltschutzverbände ist aber wohl eher der Erhalt des Hambacher Forsts, der zum Symbol des Widerstandes gegen die Braunkohleverstromung stilisiert worden ist.

Der Wissenschaftler erklärte, dass die Vorbereitungen zur Stilllegung eines Braunkohletagebaus „allermindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen“. Während dieser Zeit müsse der Tagebau weitergeführt werden, „um verheerende Umweltschäden zu verhindern“, die zum Beispiel durch abgebrochenes Wassermanagement entstehen könne — nur einer von vielen Aspekten. „Erst wenn die Abschlussbetriebspläne genehmigt sind, kann man mit dem Ausstieg beginnen.“

Ein abruptes Ende der Tagebaue würde nach derzeitiger Gesetzeslage „keine Bergbehörde genehmigen können“, sagte Niemann-Delius. Die abrupte Reduzierung der Braunkohleförderung in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung von rund 300 Millionen Tonnen im Jahr auf etwa 70 Millionen Tonnen im Jahr 2000 habe gezeigt, was alles passieren kann, wenn Betriebe nicht planmäßig zu Ende geführt werden: „Und die Beseitigung der Schäden muss der Steuerzahler mit Milliarden Euro bezahlen.“

Niemann-Delius widersprach der Annahme des Bundes für Natur und Umweltschutz (BUND), dass Tagebaubetreiber RWE auch ohne Fortschritt des Abraumbetriebes genügend Kohle habe, um die Kraftwerke auf Jahre befeuern zu können. „Eine solche Bevorratung wäre nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch wegen der zwangsweise größeren Betriebsfläche wohl nicht genehmigungsfähig.“ Dass RWE vergangenes Jahr auf Rodungen im Hambacher Forst verzichtet hat, „verschärft das Problem“. Wenn in dieser Rodungssaison, die von 1. Oktober bis 28. Februar 2019 dauert, nicht gerodet werden sollte, „stehen nächstes Jahr Kraftwerke still, zumindest aber vor einem gravierenden Versorgungsproblem“.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat RWE am Freitag aufgefordert, während der Arbeit der Kohlekommission auf Rodungen zu verzichten.

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