Antwerpen: Belgischer Reaktor Doel 3 bleibt weiter außer Betrieb

Antwerpen : Belgischer Reaktor Doel 3 bleibt weiter außer Betrieb

Der umstrittene belgische Atomreaktor Doel 3 soll erst am 6. Januar wieder hochgefahren werden. Das teilte der Betreiber Electrabel auf seiner Internetseite mit. Der rund 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernte Druckwasserreaktor bei Antwerpen hätte eigentlich am Montag wieder ans Netz gehen sollen.

Erst kürzlich war es bei dem pannenanfälligen belgischen Reaktor Tihange, der nur 60 Kilometer von Aachen entfernt ist, nach einem Brand zu einem Ausfall gekommen. Das Atomkraftwerk ist mittlerweile wieder in Betrieb.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) äußerte erneut scharfe Kritik an der Haltung der belgischen Regierung. „Es ist mehr als befremdlich, dass die belgische Atomaufsicht nach all den Unfällen, all dem An- und Abschalten noch immer keine klare Haltung zeigt, die Anlagen vom Netz zu nehmen”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. „Denn solange Bröckelreaktoren am Netz bleiben, ist die Gefahr von nuklearen Störfällen nicht ausgeschlossen.”

Grund für die verzögerte Reaktivierung von Doel 3 ist ein defekter Schalter am Übergang zum Hochspannungsstromnetz, wie eine Electrabel-Sprecherin erklärte. Eine externe Spezialfirma solle das Problem beheben. Am Ende des Jahres brauche sie dafür aber mehr Zeit als gewöhnlich, weil Experten schlechter verfügbar seien. Bis dahin bleibe der Reaktor in einer Art Standby-Modus und erzeuge keine Elektrizität.

Doel 3 war am ersten Weihnachtstag vom Netz genommen worden, nachdem an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck entdeckt worden war. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt gab es laut Betreiber keinerlei Gefahr. Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt worden waren.

Remmel warf den belgischen Verantwortlichen vor, den schnellen Gewinn über die Vorsorge zu stellen. Dies gefährde die belgische Bevölkerung ebenso wie ihre deutschen und niederländischen Nachbarn.

„Deutschland hat den Ausstieg aus der teuer subventionierten Atomkraft beschlossen”, unterstrich der Minister. „Atomare Gefahren kennen keine nationalen Grenzen, deshalb brauchen wir solche Entscheidungen auch in unseren Nachbarländern.” Sinnvoll und zukunftsorientiert sei eine europaweite Investitionsoffensive für den Ausbau der erneuerbaren Energien und ein Fahrplan zum Ausstieg aus der Atomkraft.

(dpa)