Belgische Atommeiler: Gefahr eines Blackouts bleibt

Belgische Atommeiler: Die Gefahr eines Blackouts bleibt bestehen

Für Marie-Christine Marghem war es kein optimaler Tag. Am Dienstagmorgen wurde die Energieministerin von Demonstranten vor ihrem Haus begrüßt, die die belgische Regierung kritisieren.

Und dann wurde nach einem Krisengespräch Marghems Kompetenz als Ministerin in Frage gestellt. Weil fünf Atommeiler derzeit gewartet werden, droht Belgien im Winter ein Blackout.  Die Gefahr einer Stromknappheit ist nach dem Treffen gemindert, aber nur geringfügig.

Der Übertragungsnetzbetreiber Elia betonte im parlamentarischen Unterausschuss, dass trotz Anstrengungen seitens des Netz- und des AKW-Betreibers immer noch bis zu 900 Megawatt Strom im Winter fehlen. Vorige Woche hatte Marghem von bis zu 1700 Megawatt gesprochen. „Die Aussichten für Belgien haben sich verbessert“, teilte Elia mit. Versorgungssicherheit gebe es aber nicht.

Die Lage ist ernst. Das zeigt sich allein daran, dass eine Pressekonferenz des neuen Chefs der belgischen Atomaufsichtsbehörde Fanc, Frank Hardeman, kurzerhand abgesagt wurde. Alle energiepolitischen Player mussten ins Parlament.

Hintergrund der Probleme ist, dass derzeit nur fünf von sieben Atommeiler in Tihange und Doel am Netz sind. Das ist vor allem auf ungeplante Reparaturen zurückzuführen. Der AKW-Betreiber Engie-Electrabel hilft, indem er die für November geplante Instandsetzung von Tihange 1 nach vorne zieht. „Wir tun alles, um Elia zu helfen“, sagte Engie-Sprecherin Anne-Sophie Hugé. Marghem hatte dem Konzern herbe Vorwürfe gemacht. Doch Engie steht nicht mehr in der Schusslinie. Vielmehr rückt Elia in den Fokus. Die Prognosen des Netzbetreibers, der dafür Sorge zu tragen hat, dass Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind, seien fragwürdig. Das soll nach Angaben von Teilnehmern des Krisentreffens insbesondere seitens der Regulierungsbehörde Creg kritisiert worden sein.

Fanc: Haben Problem unterschätzt

Hugé sagte wohl zu Recht: „Wir sind ein privates Unternehmen und nicht für die Versorgungssicherheit in Belgien zuständig.“ Außerdem gehe Sicherheit vor. Die Wartungsarbeiten an vier Meilern, bei denen der Beton in einem Nebengebäude marode ist, sind dringend notwendig. Tests müssen zudem zeigen, dass die Gebäude auch Erdbeben oder Flugzeugabstürzen standhalten können, erklärte Hugé. Fanc-Chef Hardemann gab zu, dass seine Behörde das Problem unterschätzt habe.

Die Opposition schäumt. Marghem habe zu stark auf Atomenergie gesetzt, sagte der Grünen-Fraktionschef Jean-Marc Nollet. „Bis zum Frühjahr droht ein Blackout.“ Elia mahnte an, dass es weiterer Maßnahmen für Januar und Februar bedarf, um die Stromversorgung zu gewährleisten. Manch einer munkelt, dass Engie das nicht ungelegen kommt. Eigentlich will Belgien bis 2025 aus der Atomkraft aussteigen, aber Situationen wie die jetzige zeigen, wie schwer das sein wird.

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