„Tihange und Doel noch nicht verzichtbar“: Belgiens Innenminister sät Zweifel am Atomausstieg

„Tihange und Doel noch nicht verzichtbar“ : Belgiens Innenminister sät Zweifel am Atomausstieg

Die belgische Regierung zweifelt am Ausstieg des Landes aus der Kernenergie. Das bringt erneute Unsicherheit in die Frage, ob die belgischen Kernkraftwerke in Tihange und Doel wirklich 2025 abgeschaltet werden können.

Eigentlich ist das seit 2003 beschlossen, doch mangelt es an einer Vision dafür, wie die Energieversorgung in Belgien in sechs Jahren aussehen soll. Die umstrittenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 sollen dann ohnehin vom Netz sein. Andere Meiler könnten aber länger laufen. Diese Option wurde schon mehrfach von Politikern ins Spiel gebracht.

Der neue Innenminister Pieter De Crem (CD&V) hält den Ausstieg jedenfalls für nicht realistisch. Das hat der Christdemokrat, der mindestens bis zur Neuwahl Ende Mai im Amt sein wird, in einem Interview gesagt. „Alles weist darauf hin, dass der Stromverbrauch noch zunimmt. So sehr, dass wir mit Sicherheit die Laufzeit der Meiler verlängern werden müssen und entsprechende Ausnahmeregelungen werden schaffen müssen“, sagte er.

Sollte man die Akw abschalten können, sei er natürlich froh. De Crem bringt ganz nebenbei noch die Möglichkeit, die moderne Kernkraftwerke böten, ins Spiel und betont, man müsse in der Debatte offen bleiben – „auch, wenn das den Menschen, die demonstrieren, nicht gefällt“.

Das ist bemerkenswert, da de Crems Partei CD & V Befürworter des Atomausstiegs ist. Bislang hatte nur de Crems Vorgänger, Jan Jambon von der N-VA, der flämmischen Nationalisten, als einzige Partei für eine Verlängerung der Akw-Laufzeiten plädiert, um damit den Forderungen aus der Wirtschaft nachzukommen. Da viele Belgier Angst vor einem Blackout haben, hatte auch das Argument der drohenden Stromknappheit lange gezogen. 

Nun nutzt de Crem ehemaliges N-VA-Vokabular. Er bezeichnet sich selbst laut der belgischen Nachrichtenagentur Belga als „Ökorealisten“ und betont, dass die Energiewende nicht auf Kosten der Geringverdiener stattfinden dürfe. Das Konzept des Ökorealismus ist solch ein Motiv der N-VA. De Crem betont aber, er schwenke nicht auf diesen Pro-Atom-Kurs. Seine Worte lassen allerdings keinen anderen Schluss zu.

Auch die belgische Energieministerin Marie-Christine Marghem will die Strompreise in Belgien niedrig halten und auch nicht die Netzunsicherheit in Kauf nehmen, die hierzulande besteht. Sie glaubt an die Energiewende und hat im vergangenen Jahr einen Energiepakt auf den Weg gebracht. Dem stimmte selbst die N-VA zu zähneknirschend. Doch der Atomausstieg ist eigentlich Konsens. Oder muss man sagen war es?

Der Betreiber der sieben belgischen Meiler wäre jedenfalls jederzeit bereit, die Reaktoren länger laufen zu lassen, sagte Engie-Electrabel-Sprecherin Anne-Sophie Hugé. „Sollte die Politik es wollen.“ „Aber Stand der Dinge ist der Atomausstieg 2025.“