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Flug- und Busausfälle: Streiktag mit zehntausenden Teilnehmern erzürnt Belgiens Premierminister

Flug- und Busausfälle : Streiktag mit zehntausenden Teilnehmern erzürnt Belgiens Premierminister

Ein nationaler Streiktag hat am Montag Belgiens Busverkehr und den Hauptstadtflughafen lahmgelegt. 70.000 Menschen demonstrierten in Brüssel, Premierminister De Croo zeigt sich genervt.

Etwa 70.000 Beschäftigte verschiedener Branchen haben am Montag in der belgischen Hauptstadt Brüssel für höhere Löhne demonstriert. Das geht aus Angaben der Polizei und von Gewerkschaften hervor.

Die Auswirkungen des Protesttags waren landesweit spürbar: So teilte das Unternehmen Brussels Airport am Sonntagabend mit, dass ein Großteil des Sicherheitspersonals angekündigt hatte, sich an den Streiks zu beteiligen. Infolgedessen könnten lediglich landende Flüge und Frachtflüge abgefertigt werden – 232 Starts wurden abgesagt.

Der Betreiber rief Passagiere dazu auf, nicht zum Flughafen zu kommen und stattdessen telefonisch Kontakt mit der jeweiligen Airline aufzunehmen. Vier Flüge der Airline Corendon wurden vom Maastricht Aachen Airport übernommen. Dieser steht derzeit auch in Verhandlungen mit dem niederländischen Hauptstadtflughafen Schiphol, um dortige Flüge zu übernehmen. Auch am Flughafen Charleroi kam es zu Verzögerungen. Flüge wurden teilweise auch von weiteren Regionalflughäfen in Ostende, Antwerpen und Lüttich übernommen. Neuer Ungemach droht bereits zum Ende der Woche: Das Personal der Brussels Airlines und von Ryanair droht mit weiteren Streiks.

Auch der öffentliche Nahverkehr war vielerorts betroffen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. In Brüssel etwa fielen fast alle U-Bahn-Fahrten aus. In Flandern und der Wallonie konnte teilweise nur ein notdürftiger Busverkehr durchgeführt werden, wie die Betreiber De Lijn und TEC mitteilten. TEC ist auch für die Provinz Lüttich zuständig.

Mehrere große Gewerkschaften hatten zu dem Protest aufgerufen. Sie fordern eine Änderung des belgischen Lohngesetzes. Die Preise zum Beispiel für Energie und Nahrung stiegen immer weiter, die Löhne aber nicht, hieß es in dem Aufruf. Das Lohngesetz ermögliche aus ihrer Sicht keine ausreichenden Lohnangleichungen.

Premierminister Alexander de Croo sagte am Montag, dass er die Sorgen der Menschen durchaus verstehe, ärgerte sich jedoch massiv über die Art und Weise des Protests. „Muss es denn immer gleich ein nationaler Aktionstag sein, der das halbe Land lahmlegt?“, fragte der Politiker. Die Löhne seien bereits mehrfach erhöht worden, um auf die Inflation zu regieren, zudem seien mehrere Entlastungspakete von der regierenden Koalition verabschiedet worden. De Croo forderte daher Arbeitnehmer und -geber gleichermaßen auf, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

(dpa/cheb)