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Belgischer Atommeiler: Steht die Abschaltung von Doel 3 doch auf der Kippe?

Belgischer Atommeiler : Steht die Abschaltung von Doel 3 doch auf der Kippe?

Die für Freitag geplante Abschaltung des Atommeilers Doel 3 sorgt für handfesten Koalitionsstreit in Belgien. Kommt es zum Showdown um den „Riss-Meiler“?

Am Freitag soll der belgische Atommeiler Doel 3 endgültig vom Netz gehen. Das bestätigte auch der Betreiber Engie vor wenigen Tagen in einem Statement gegenüber unserer Zeitung. Doch nun wollen Teile der belgischen Regierung und die größte Oppositionspartei, die flämischen Nationalisten der N-VA, doch noch den Meiler „retten“, berichtet der belgische Rundfunk BRF am Dienstag.

Den Stein ins Rollen brachte Innenministerin Annelies Verlinden, die die Atomaufsichtsbehörde Fanc damit beauftragen wollte, zu prüfen, ob die Vorbereitungen für den Rückbau der Anlagen ausgesetzt werden können. Die Kurzfristigkeit der Anfrage sorgte bei der Fanc für offene Verwunderung – schließlich ist eigentlich längst klar, dass die Betriebsgenehmigung für Doel 3 bei Antwerpen am 1. Oktober erlischt, und Tihange 2 bei Lüttich spätestens am 1. Februar 2023 folgen soll.

Seit Jahren stehen besonders diese beiden Meiler in der Kritik, da Wasserstoffeinschlüsse in den Reaktorhüllen festgestellt wurden. Auch aus der Region Aachen wurde vehement die Abschaltung der Reaktoren gefordert.

Während über die Zukunft der jüngeren Meiler in Belgien noch verhandelt wird, bereitete sich der Energiekonzern Engie auf das Ende von Doel 3 und Tihange 2 vor. Entsprechend verwundert nahm man auch dort den Antrag Verlindens zur Kenntnis. „Wir mussten vor einigen Jahren etliche Sicherheitsanalysen durchführen, damit die Meiler am Netz bleiben dürfen, und nun sollen wir innerhalb von zehn Tagen vor Ende der Betriebsgenehmigung mal eben die Laufzeit verlängern?“, sagte Engie-Sprecherin Anne-Sophie Hugé vor wenigen Tagen gegenüber unserer Zeitung. Die Meiler einfach weiterlaufen zu lassen, sei aus sicherheitstechnischen und organisatorischen Gründen schlichtweg nicht möglich.

Doch obwohl auch Premierminister Alexander de Croo seine Innenministerin öffentlich rügte, ist die Debatte noch nicht beendet. Der Vorsitzende der ebenfalls an der Regierung beteiligten französischsprachigen Liberalen, Georges-Louis Bouchez, sagte der Zeitung „Het Nieuwsblad“ klar: „Hier wird gar nichts stillgelegt, die Grünen werden sich damit abfinden müssen.“ Auch Verlindens flämische christdemokratische Partei sprach sich für ein Weiterlaufen der Meiler aus angesichts der Energiekrise.

Und auch die Opposition mischt sich ein: Die flämischen Separatisten der N-VA boten laut „Het Nieuwsblad“ ihre Stimmen an, um die Stilllegung von Doel 3 doch noch zu verhindern. Entsprechend Zündstoff ist nun im Parlament vorhanden: Nehmen Liberale und Christdemokraten das Angebot der N-VA an, könnte das das Vertrauensverhältnis in der Regierung erheblich beschädigen. Denn an der sind auch die grünen Parteien Flanderns und der Wallonie beteiligt. Diese schließen eine Weiterführung von Doel 3 und Tihange 2 kategorisch aus.

(cheb)