Regierungsbildung in Belgien: König empfängt Rechtsextremen

Regierungsbildung in Belgien : König empfängt Rechtsextremen

Zum ersten Mal in der Geschichte Belgiens hat der König einen Vertreter der rechtsextremen Partei Vlaams Belang zu Gesprächen über die Regierungsbildung empfangen.

Nachdem die Partei bei den Parlamentswahlen am Sonntag zweitstärkste Kraft geworden war, lud König Philippe den Vorsitzenden Tom Van Grieken am Mittwoch zum Gespräch ein, wie der Palast mitteilte.

Der Monarch sondiert derzeit eine mögliche Regierung für das Königreich und trifft sich auch mit Vertretern anderer Parteien. Er spielt in der belgischen Politik eine wichtige Rolle als Vermittler. Regierungsbildungen sind in Belgien traditionell kompliziert.

„Das ist das normalste von der Welt, dass der Staatschef den Sieger der Wahlen einlädt“, sagte Van Grieken laut Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch bei seiner Ankunft am Königspalast. Der Vlaams Belang hatte bei den Wahlen knapp zwölf Prozent der Stimmen erreicht - gut acht Punkte mehr als 2014. Die Belgier haben am Sonntag eine fragmentierte Abgeordnetenkammer gewählt. Im französischsprachigen Süden wählten sie eher links, im flämischsprachigen Norden eher rechts.

Als Reaktion auf das Wahlergebnis hatten bereits am Dienstag mehr als 4000 Menschen in der belgischen Hauptstadt Brüssel gegen Rechtsextremismus demonstriert. Das berichtete Belga unter Berufung auf die Polizei. Die Teilnehmer trugen Schilder mit Aufschriften wie „Faschismus ist hier nicht willkommen“ oder „Nein zum Faschismus“.

(dpa)