Fangquoten für Fische stehen fest

Nordsee-Quoten für 2020 : Weniger Kabeljau, mehr Makrele

Einige Fischbestände in der Nordsee und im Atlantik befinden sich in besorgniserregendem Zustand. Die EU-Fischereiminister einigen sich nun auf Einschnitte. Umweltschützern gehen diese allerdings nicht weit genug.

Deutsche Nordsee-Fischer müssen im kommenden Jahr mit deutlich niedrigeren Kabeljau- und Seelachs-Fangmengen auskommen. Darauf verständigten sich die EU-Fischereiminister am frühen Mittwochmorgen in Brüssel. Bei anderen wichtigen Fischarten – etwa bei der Makrele – ist nach Angaben aus Diplomatenkreisen hingegen ein deutliches Plus vorgesehen. Die EU-Kommission sieht damit Nachhaltigkeitsziele erreicht. Von Umweltschützern kommt hingegen Kritik.

Beim Kabeljau ist demnach nun eine Reduzierung der erlaubten Fangmenge um 50 Prozent vorgesehen. Auf Deutschland entfallen dann noch rund 1600 Tonnen. Beim Seelachs ist ein Minus von 15 Prozent geplant (rund 8300 Tonnen). Der Makrelen-Fang kann hingegen deutlich ausgeweitet werden. Die Minister hoben die erlaubte Fangmenge hier um 41 Prozent an. Auf Deutschland entfallen dann rund 23.400 Tonnen.

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen für die Nordsee und den Nordost-Atlantik fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweils nationalen Fangmengen.

Fangquoten gelten für ein Jahr

Die EU-Kommission schlägt die Quoten in der Regel auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen vor. In den anschließenden Verhandlungen geht es dann darum, die Interessen der Fischfangindustrie gegen Umweltbelange abzuwägen und den Fortbestand der Fischarten zu sichern. Die Fangquoten gelten jeweils für ein Jahr.

Die Obergrenzen gelten für einzelne Fischbestände – das heißt für eine Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Wenn die erlaubte Fangmenge erreicht ist, muss das jeweilige Land den Fischfang dort vorübergehend einstellen.

Im Jahr 2020 ist nun auch vorgesehen, die Obergrenze für Scholle um 3 Prozent zu reduzieren. Beim Schellfisch ist dagegen ein Plus von 23 Prozent geplant.

Beim für Deutschland ebenfalls wichtigen Hering bleibt die erlaubte Fangmenge hingegen mit rund 39 400 Tonnen unverändert. Im vorigen Jahr hatte es hier bereits deutliche Einschränkungen gegeben.

Kabeljau braucht Erholung

„Einige dieser Lösungen sind schmerzhaft“, sagte der finnische Minister Jari Leppä. Vor allem beim Kabeljau seien wegen des schlechten Zustands der Bestände Einschnitte nötig gewesen. „Die Flotten werden kommendes Jahr auf einem Level fischen, das die Erholung der Bestände nicht verhindern wird“, sagte der neue EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevicius.

Deutliche Kritik kam hingegen von Umweltverbänden. In Zeiten des Umwelt-Notstands könnten die Regierungen nicht einfach weitermachen wie bisher, sagte Pascale Moehrle, Direktorin der Meeresschutzorganisation Oceana. Überfischung müsse dringend gestoppt werden.

Stella Nemecky von der Naturschutzorganisation WWF sagte mit Blick auf den Kabeljau: „Dem Bestand ging es erst seit Kurzem endlich wieder besser – nach einem Bestandszusammenbruch Mitte der 2000er und vielen Jahren Erholungsplan.“ Doch zu früh angehobene Fangmengen zeigten traurige Wirkung.

Die EU stimmt sich bei Beständen, die gemeinsam befischt werden, auch mit anderen Ländern wie etwa Norwegen ab. In diesem Jahr stand bei den Verhandlungen wegen schlechter Bestandszahlen noch die Keltische See nahe Frankreichs, Großbritanniens und Irlands im Fokus.

(dpa)