1. Region
  2. Belgien

Streit mit Ex-Partner: Erotische Aufnahmen führen zu handfester Eskalation

Streit mit Ex-Partner : Erotische Aufnahmen führen zu handfester Eskalation

Eine Frau aus Stolberg erfährt, dass ihr Ex-Partner noch erotische Aufnahmen von ihr besitzt und weiterverbreiten will. Sie will ihn mit ihrem neuen Freund zur Rede stellen, doch die Situation eskaliert – und landet vor Gericht.

Was genau Mitte Juni 2020 in der Wohnung ihres Ex-Freundes im ostbelgischen Lontzen passierte, wird nun vor dem Eupener Strafgericht geklärt, wie die belgische Tageszeitung „Grenzecho“ am Dienstag berichtet.

Sicher ist: Das damals in Stolberg lebende Pärchen, das nun angeklagt ist, suchte die Wohnung des Ex-Freundes auf, um ihn zum Löschen der Bild- und Videodateien zu bewegen. Die 31-Jährige und ihr fünf Jahre jüngerer, neuer Lebensgefährte hatten zuvor von einem Freund erfahren, dass die Dateien nicht gelöscht wurden.

Doch die Situation geriet außer Kontrolle. Die Frau schilderte, dass ihr 33-jähriger Ex-Freund ihr gegenüber übergriffig geworden sei, woraufhin sie mit seinem PC ins Badezimmer flüchtete, um die Aufnahmen selbst zu löschen. Sie sei jedoch dazu gezwungen worden, das Bad wieder zu verlassen.

Ihr neuer Partner habe – alarmiert von dem lauten Streit – um Einlass in die Wohnung gebeten, was zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern führte, die in einem Handgemenge auf dem Boden endete. Da der 33-Jährige den neuen Freund der Frau dabei würgte, habe sie mit Tritten in die Auseinandersetzung eingegriffen. Das habe wiederum der 26-Jährige genutzt, um mit einem mitgebrachten Schlagstock auf den Kontrahenten einzuschlagen.

Mit dem zwischenzeitlich beschädigten PC und dem Handy des Ex-Partner verließen sie demnach die Wohnung. Den Computer entsorgten sie kurz darauf.

Das Pärchen, das mittlerweile aus Stolberg nach Bayern gezogen ist, zeigt sich vor dem Eupener Gericht geständig, stellte die Situation jedoch in einem anderen Licht dar. Ihnen sei es in erster Linie darum gegangen, dass der Ex-Freund Bilder der zehnjährigen Tochter der Frau löscht. Dieser habe sich dazu nicht bereiterklärt und gedroht, die sexuellen Bilder und Videos der 31-Jährigen zu veröffentlichen – auch so, dass die Tochter diese zu Gesicht bekomme. Sie seien in dieser Situation völlig überfordert gewesen, auch der Schlagstockeinsatz sei nur in Angst um das eigene Leben geschehen.

Je drei Jahre Haft gefordert

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es jedoch keinen Zweifel an der Schuld des Pärchens. Sie wirft den beiden einen besonders schweren Fall von Diebstahl mit Gewaltanwendung vor, in dessen Folge das als Handwerker arbeitende Opfer mehrere Monate arbeitsunfähig wurde. Auch aufgrund des geplanten Mitführens des Schlagstocks forderte die Staatsanwaltschaft je drei Jahre Haft und 800 Euro Geldstrafe. Zudem forderte der Anwalt des Opfers einen vorläufigen Schadensersatz von 2000 Euro und das Einschalten eines medizinischen Sachverständigen.

Der Anwalt des Paares sieht seine Mandanten als Opfer einer „moralischen Aggression“, aufgrund derer sie „zeitweilig ihre Selbstbeherrschung verloren“. Das Verletzen des Mannes sei nie ihre Absicht gewesen, als sie sich auf den verhängnisvollen Weg von Stolberg nach Lontzen machten. Aus Sicht des Anwalts dramatisiere der 33-Jährige seine Verletzungen an der Schulter – was auch dadurch bestätigt würde, dass er zuerst nach der Tat zwei Freunde anrief und erst später den Notarzt.

Die Richterin kündigte ein Urteil für den 10. Oktober an.

(cheb)