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„Kongogräuel“: Belgischer König drückt Bedauern über grausame Kolonialzeit aus

„Kongogräuel“ : Belgischer König drückt Bedauern über grausame Kolonialzeit aus

Belgiens König Philippe hat sein tiefstes Bedauern für Gewalt, Grausamkeiten und Erniedrigung während der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo ausgedrückt. Mindestens acht Millionen Menschen waren dabei gestorben.

Dies geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Brief des Monarchen an den Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Félix Tshisekedi, hervor. Anlass ist der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit des afrikanischen Landes. Philippe wendet sich auch gegen heutigen Rassismus in seinem Land.

Der belgische König Leopold II. hatte Teile der heutigen Demokratischen Republik Kongo - den sogenannten Freistaat Kongo - von 1885 bis 1908 als Privatvermögen beherrscht und gnadenlos ausgebeutet. Acht bis zehn Millionen Kongolesen sollen nach Schätzungen von Historikern unter seiner Herrschaft ums Leben gekommen sein – knapp die Hälfte der damaligen Bevölkerung.

Die Bevölkerung wurde durch systematische Verstümmelungen, unter anderem massenhaftes Abhacken von Händen, durch Tötungsaktionen, Vergewaltigungen und Entführungen unter Druck gesetzt und zu Sklavenarbeit gezwungen, etwa zur Kautschuckproduktion. Diese Grausamkeiten sind unter dem Begriff „Kongogräuel“ bekannt geworden. Nach dieser Zeit war das Gebiet noch bis 1960 belgische Kolonie.

Das wohl bekannteste Foto über die „Kongogräuel“: Ein Vater starrt auf die abgehackte Hand und den Fuß seiner fünfjährigen Tochter. Sie wurde von Wachmannschaften getötet, weil ihr Vater angeblich nicht die vorgegebene Quote bei der Kautschuckproduktion erfüllt hatte. Foto: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27203207/Alice Harris/John Hobbis Harris - E. D. Morel, King Leopold’s Rule in Africa,

„In der Zeit des Freistaats Kongo wurden Akte der Gewalt und der Grausamkeit begangen, die heute immer noch auf unserer kollektiven Erinnerung lasten“, schrieb Philippe an Tshisekedi.

„Die Kolonialzeit, die folgte, hat ebenfalls Leiden und Erniedrigungen verursacht. Ich möchte mein tiefstes Bedauern für die Verletzungen der Vergangenheit ausdrücken, deren Schmerz heute durch die immer noch allzu gegenwärtigen Diskriminierungen in unseren Gesellschaften erneuert wird. Ich werde weiter gegen alle Formen des Rassismus kämpfen.“ Er unterstütze den Reflexionsprozess des belgischen Parlaments, damit die Erinnerung befriedet werden möge.

König Philippe (rechts) und Königin Mathilde von Belgien, hier bei einem Besuch bei den Vereinten Nationen im Februar. Foto: dpa/Dirk Waem

Nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd in Polizeigewahrsam in den USA hatte es auch in Belgien in den vergangenen Wochen Demonstrationen gegen Rassismus gegeben. Der Protest richtete sich auch gegen Denkmale aus der Kolonialzeit, vor allem gegen Statuen von Leopold II.

Leopold II. von Belgien regierte den Kongo jahrzehntelang als Privatbesitz und beutete das Land und seine Menschen auf grausamste Weise aus. Auch diese Büste in der Stadt Tervuren wurde bei den Protesten im Juni mit roter Farbe bemalt. Foto: dpa/Virginia Mayo
(dpa/red)