1. Region
  2. Belgien

Stromsparmaßnahme: Auf den belgischen Autobahnen gehen die Lichter aus

Stromsparmaßnahme : Auf den belgischen Autobahnen gehen die Lichter aus

Die nächtliche Beleuchtung nahezu aller Autobahnen war jahrelang ein Alleinstellungsmerkmal Belgiens. Seit mehreren Jahren gehen die Lichter Stück für Stück aus, nun kommen weitere Abschnitte hinzu.

Während Europa im Dunkeln lag, stach Belgien über Jahrzehnte wie ein grelles Licht heraus. Die (nahezu) vollständige Beleuchtung der Autobahnen sorgte dafür, dass das Königreich seit den 1960er Jahren sogar aus dem All nachts gut zu erkennen war. Auch die Niederlande, eines der Länder mit den dichtesten Autobahnnetzen der Welt, leisteten sich lange eine großzügige Beleuchtung ihrer Schnellstraßen.

Doch das belgische Prestigeprojekt, das vorgeblich die Unfallzahlen senken sollte, befindet sich schon seit Jahren im Niedergang. Zu hoch sind die Kosten, zu niedrig die Auswirkung auf die Unfallstatistiken.

2012 entschied die belgische Region Flandern, nur noch gewisse Streckenteile ihrer Autobahnen zu beleuchten und die Laternen mit sparsameren LED-Leuchten auszustatten. Nach Angaben der zuständigen Verkehrsbehörde sind 40 Prozent der Autobahnkilometer in Flandern dynamisch beleuchtet, 35 Prozent unbeleuchtet und nur noch 25 Prozent durchgängig beleuchtet. Zu letzteren gehören etwa die Autobahnringe von Antwerpen und Brüssel, die Bereiche Kortrijk und Gent, generell die Auf- und Abfahrten sowie Autobahnkreuze.

Die dynamische Beleuchtung, die bei schlechten Sichtverhältnissen, dichtem Verkehr und Bauarbeiten angeschaltet wird, besteht etwa aus Richtung Aachen kommend ab Genk bis Brüssel sowie Antwerpen, sowie auf den Achsen zwischen Gent, Antwerpen und Brüssel. Die Aufteilung steht wegen der anhaltenden Energiekrise aktuell auf dem Prüfstand, denn die Regierung in Brüssel beauftragte die Regionen damit, mögliche Einsparpotenziale ausfindig zu machen.

Ende September teilte auch die wallonische Regierung mit, dass die Beleuchtung der Autobahnen im südlichen Landesteil erheblich reduziert werden soll. Damit wolle man sich „am wallonischen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und der Stromrechnung der öffentlichen Verwaltung“ beteiligen, heißt es in der Mitteilung.

Konkret bedeutet das, dass die LED-Leuchten an den Autobahnen in der Wallonie zwischen 22 und 5 Uhr dunkel bleiben sollen. Im Berufsverkehr sollen diese jedoch weiter angeschaltet bleiben. Weiterhin leuchten durchgehend jene Laternen, die noch mit veralteten Leuchtmethoden betrieben werden. Diese sollen erst für den dynamischen Bedarf auf LED umgerüstet werden in den kommenden Jahren. Davon unberührt bleiben Autobahnkreuze, Auf- und Abfahrten sowie Unfallschwerpunkte.

Mit dieser Maßnahme, die etwa die Strecke vom Grenzübergang Lichtenbusch über Lüttich bis Löwen betrifft, sollen rund 2670 Megawattstunden pro Jahr eingespart werden – und damit einhergehend rund 400.000 Euro, rechnet die Regionalregierung vor. Ein erstes Fazit soll am 21. Dezember gezogen werden.

Die Niederlande zogen ihren beleuchteten Abschnitten bereits 2012 – ähnlich wie in Flandern – den Stecker. Die Regierung in Den Haag rechnete damals vor, dass man innerhalb von fünf Jahren rund 1,6 Milliarden Euro eingesparen könne. Nur Tunnel, große Verkehrsknotenpunkte und gefährliche Ein- und Ausfahrten sind seitdem noch beleuchtet.