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Verbrennung verzögert: Antwerpen stellt Rekordmenge an Kokain sicher

Verbrennung verzögert : Antwerpen stellt Rekordmenge an Kokain sicher

Das illegale Geschäft boomt: Antwerpen gilt als ein Haupteinfallstor für Drogen in Europa. Die Behörden in Belgien können das Koks nicht mehr so schnell verbrennen, wie sie es sicherstellen.

Die 530.000-Einwohner-Stadt Antwerpen gilt seit Jahren als ein Haupteinfallstor für Drogen in Europa. Im Hafen an der Schelde, dem zweitgrößten in Europa und eineinhalb Autostunden von Aachen entfernt, wurden im letzten Jahr 90 Tonnen Kokain beschlagnahmt.

In diesem Jahr steuern Zoll, Polizei und Gerichte auf die historische Rekordmarke von 100 Tonnen zu, deren Straßenwert auf rund fünf Milliarden Euro geschätzt wird. Und das stellt die Behörden in Belgien vor ein Problem: Sie können das Koks nicht mehr so schnell verbrennen, wie sie es sicherstellen. Der Straßenwert wird auf rund fünf Milliarden Euro geschätzt. Das wissen auch die Kriminellen.

Das illegale Geschäft mit dem offenbar immer beliebteren Rauschgift boomt. Allein in Kolumbien werden nach Schätzung von Experten etwa 2000 Tonnen hergestellt. Und Europa wird für die Schmuggler immer bedeutsamer: Aus Südamerika landet der Stoff in europäischen Häfen und wird dann weiter in die Welt verteilt. „Wir suchen verzweifelt mehr Kapazitäten zur Verbrennung“, sagte der belgische Justizminister Vincent Van Quickenborne gegenüber der flämischen Tageszeitung „De Standaard“. „Kokain zu verbrennen, setzt Substanzen frei, die die Filteranlagen der Verbrennungsöfen beschädigen können. Wir können daher höchstens 1000 bis 1500 Kilogramm in einem Durchgang verbrennen." Die bisherigen Kapazitäten aber reichten kaum aus.

Weil sich die Asservatenkammern immer weiter füllen, säßen die Behörden bereits jetzt auf „Bergen aus Kokain“, warnte ein Staatsanwalt den Justizminister schon vor einigen Wochen. Seine Befürchtung: Kriminelle Banden könnten versuchen, die mit dem teuren Stoff gefüllten Lagerhäuser zu überfallen. Dass den mafiös vorgehenden Banden in Belgien das durchaus zuzutrauen ist, haben sie bereits bewiesen: Ende September hatten offensichtlich Mitglieder einer Bande versucht, Minister Quickenborne mit Kalaschnikows vor dessen Haus zu entführen.

„Die rasche Vernichtung von beschlagnahmten Waren ist eine ständige Herausforderung", sagt Francis Adyns, Sprecher des Föderalen Öffentlichen Dienstes Finanzen, zu dem der Zoll gehört. Aufgrund der technischen Beschränkungen der zugelassenen Verbrennungsanlagen und der Umweltstandards müssten mehr Verbrennungsanlagen eingesetzt werden.

Der Bürgermeister von Antwerpen, Bart De Wever, weist in einem Schreiben an Minister Quickenborne darauf hin, dass Kriminelle bereits einmal im Jahr 2019 versucht haben, Kokain aus einem Zolllager zu stehlen. De Wever zufolge hat die Polizei kürzlich festgestellt, dass Verdächtige die Schuppen des Zolls mit einer Drohne beobachteten. So ist man nun auf der Suche nach zusätzlichen Verbrennungskapazitäten. Die Stadt Antwerpen verfügt zwar über eine eigene Verbrennungsanlage, die jedoch derzeit keine Lizenz für die Vernichtung von Kokain hat. Die Antwerpener Polizei hat schon seit einiger Zeit zusätzliche Kräfte abgestellt, um die Zollgebäude zu bewachen.

(hau)