Hasselt: Belgien trauert um die Toten von Pukkelpop

Hasselt: Belgien trauert um die Toten von Pukkelpop

Belgien trauert um die Toten der Pukkelpop-Tragödie: Bei einem Gedenkgottesdienst haben am Sonntag hunderte Menschen die Opfer des Sturms gemeinsam beweint. Fünf Belgier waren ums Leben gekommen, als ein heftiges Gewitter am Donnerstag über dem Gelände des beliebten Rockfestivals wütete.

Zelte, Bühnen und tonnenschwere Metallträger waren über den Besuchern eingestürzt, weit mehr als 100 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Der Unglücksort liegt nahe der belgischen Stadt Hasselt, nur etwa eine Autostunde von Aachen entfernt.

Unter den Trauergästen in der Kirche war auch der in die Kritik geratene Veranstalter des Rockfestivals, Chokri Mahassine. Er sei „deutlich erschüttert” gewesen, als er zwischen den Familien und Freunden der Opfer stand, schrieb die Zeitung „De Standaard” in ihrer Online-Ausgabe. Nach der Feier aber habe er einen „herzerwärmenden Applaus” von den Anwesenden bekommen.

Waren die Zelte und Bühnen ausreichend gegen Wind gesichert? Hätte das Unglück verhindert werden können? Belgische Medien haben in den vergangenen Tagen viele kritische Fragen gestellt. Der Veranstalter aber weist die Vorwürfe zurück. Es habe eine Unwetterwarnung für das Land gegeben, keiner aber habe wissen können, dass der Sturm gerade über dem Gelände von Pukkelpop so heftig zuschlagen würde. 36 Liter Wasser pro Quadratmeter sollen in nur 20 Minuten gefallen sein.

Die Staatsanwaltschaft in Hasselt hat vorläufige Ermittlungen aufgenommen. Das sei aber ein „normaler Vorgang, wenn es Tote gibt”, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Belga. „Der Sturm ist eindeutig hauptverantwortlich für die fünf Toten.”

Bei belgischen Festivals gebe es weniger Kontrollen für Bühnen und Zelte, als in einigen anderen Ländern, sagte Tom Bilsen vom Bühnenbauer Stagoco zu Belga. „In Deutschland und Großbritannien sind die Behörden vorsichtiger.” Ob die Tragödie von Pukkelpop hätte verhindert werden können, ließ er offen.

Der Veranstalter eines anderen belgischen Festivals lobte dagegen die Professionalität der Pukkelpop-Organisatoren. Die Katastrophe sei „unvermeidbar” gewesen und die Rettung der Besucher rasch erfolgt, sagte Antonio Di Carlo, Veranstalter des Dour Festivals. „Wenn wir bei jeder Sturmwarnung immer abbrechen, dann können wir ganz aufhören mit Open-Air-Veranstaltungen in Belgien.”

Erst am Samstag waren Namen und Schicksale der Opfer öffentlich geworden. Unter ihnen ist Medien zufolge ein etwa 20-jähriges Pärchen, das in einem größeren Zelt Schutz vor dem Unwetter gesucht hatte. Als das Zelt einstürzte, wurden beiden von einem Metallgerüst erschlagen.

Auch ein 30-Jähriger starb. Er hatte seinen Rucksack in einem der Zelte vergessen und war zurückgekehrt. Ein Metallträger traf und tötete ihn, als das Zelt zusammenbrach. Auf dem Campingplatz starb eine 21 Jahre alte Pfadfinderin in ihrem Zelt. Über das fünfte Opfer, einen 59-jährigen Mann, wurde zunächst nichts näheres bekannt.

65.000 meist junge Menschen waren in diesem Jahr zum Festival gekommen. Nach dem Unglück wurde das Konzertwochenende abgebrochen. Der Veranstalter will nun einen Hilfsfonds für die Opfer der Tragödie gründen. „Wir verspüren den Drang, einen unabhängigen Fonds für die Opfer und ihre Angehörigen zu schaffen”, sagte Mahassine zu Belga.