Aachen: Belgien: Rissreaktoren gehen in diesem Jahr nicht mehr ans Netz

Aachen: Belgien: Rissreaktoren gehen in diesem Jahr nicht mehr ans Netz

Die beiden umstrittenen Rissreaktoren Tihange 2 und Doel 3 bleiben mindestens bis zum 1. Januar 2016 abgeschaltet. Das hat Electrabel, der Betreiber der beiden belgischen Atomreaktoren, mitgeteilt. Ursprünglich habe Electrabel die beiden Reaktoren im Juli wieder in Betrieb nehmen wollen.

Das Datum wurde bereits auf den 1.November verschoben. Doch auch das scheint nicht mehr realistisch, weil die Genehmigung fehlt. Reaktorblock Tihange 2, der nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt, und Doel 3, der etwa 150 Kilometer von Aachen entfernt liegt, sind seit März 2014 abgeschaltet. Der Grund sind Risse in den Druckbehältern.

Wann und vor allem ob die beiden Reaktoren wieder ans Netz gehen, darüber entscheidet die belgische Atomaufsicht FANC. Weil die Untersuchungen der Experten noch andauern, musste Electrabel seine Planungen jetzt erneut ändern. Die beiden Sicherheitsdossiers (Safety Case) werden laut FANC von Bel V, der technischen Abteilung der Atombehörde, von der belgischen Kontrollorganisation AIB Vinçotte und einem unabhängigen amerikanischen Labor untersucht. Wie die FANC auf Nachfrage mitteilte, könne man keine Angabe darüber machen, wann diese Analysen fertig seien.

Droht ein Blackout?

Angst vor einem Blackout müssen die Belgier dennoch nicht haben, sagen Experten. Selbst im Winter sei genug Strom vorhanden, erklärte die belgische Stromregulierungskommission Creg. Auch im vergangenen Winter hat es keine Stromausfälle gegeben — obwohl die beiden Reaktoren damals schon abgeschaltet waren.

Um einem Blackout zu entgehen hatte das Parlament im Juni zudem einer Verlängerung der Laufzeit der beiden Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2 zugestimmt. Eigentlich müssen Atomkraftwerke in Belgien, das den Atomausstieg bis 2025 beschlossen hat, nach 40 Jahren Betriebszeit vom Netz. Doel 1 ist zurzeit abgeschaltet, Doel 2 müsste am 1.Dezember folgen. Um einem Stromausfall entgegenzuwirken, wird Electrabel Doel 1 vom 15. Dezember bis zum 31. März ans Netz bringen.

Und auch die Laufzeitverlängerung von Doel 1 und 2 ist noch nicht vollends sicher. Zwar hat das Parlament einer Laufzeit bis 2025 für beide Reaktorblöcke zugestimmt, allerdings müssen die Regierung und Electrabel die genauen Konditionen in einem Gesetz festlegen. Wenn dann alle von der Atomaufsicht verlangten Maßnahmen ergriffen sind, kann die FANC grünes Licht geben.

Greenpeace hat laut Medienberichten bereits angekündigt, gegen die Laufzeitverlängerung vor dem Staatsrat zu klagen. Der hatte noch vor einigen Wochen erklärt, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei und außerdem eine grenzüberschreitende Bürgerbefragung. Das aber trotz vorheriger Zusage sei nicht geschehen, moniert Greenpeace.

Ob denn die FANC ihre eigenen Ansprüche vergessen habe, fragen die Umweltschützer. „Die FANC kniet vor Electrabel nieder“, kritisiert Jean-Marc Nollet, Fraktionsvorsitzender der belgischen Grünen. Der Zeitplan von Electrabel sei sehr knapp bemessen. Die schnellen Entscheidungen gingen zulasten der Sicherheit.

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