Aachen: Beim Sturz vom Seil stockt vielen der Atem

Aachen: Beim Sturz vom Seil stockt vielen der Atem

Den Zuschauern stockt der Atem. So richtig hinsehen will im Publikum keiner mehr. In zwölf Metern Höhe über dem Manegenboden verliert Freddy Nock auf dem Hochseil plötzlich das Gleichgewicht. Keine Sicherung, kein Fangnetz.

Er taumelt, schwankt hin und her und fällt. Doch statt dem Sturz in die Tiefe bleiben Freddy Nocks Schuhe am Hochseil hängen. Alles geplant, alles nur Show. Großes Aufatmen auf den Zuschauerrängen.

Es bleibt der einzige Moment bei der ersten Show des „Weihnachts Circus-Festivals”, bei dem sich die Zuschauer abwenden. Denn die rund 50 Artisten aus sieben Nationen fesseln im Zelt auf dem Bendplatz ansonsten die Blicke.

Den Auftakt der gut zweieinhalb Stunden dauernden Darbietung macht das Ensemble des „Original Chinesischen Nationalcircus”. Die zehn Artistinnen begeistern in ihren farbenprächtigen und ständig wechselnden Outfits das Publikum. Ihre eleganten, akrobatischen Tanzeinlagen mit Schirmen und jonglierenden Tellern zu asiatischen Klängen würdigt das Publikum mit lautstarkem Beifall.

Oleg Popov fängt das Licht ein

Zur Melodie des Songs „I did it my way”, betritt Oleg Popov durch den großen roten Samtvorhang die Manege. Er ist unverkennbar: Rote Knollennase, karierte Mütze, lange strohblonde Haare. Es ist eine seiner berühmtesten Nummern: Der Sonnenstrahl. Er jagt dem Licht des Scheinwerfers nach durch die blaue Manege, kriegt es aber nicht zu fassen. Er gibt nicht auf. Schließlich gelingt es ihm, das Licht einzufangen. In einem Korb trägt er es durch die Manege. Er lässt es wieder entweichen und erhellt damit das ganze Publikum.

Die nächste Showdarbietung verspricht Aktion. Zu HipHop-Klängen stürmen vier komplett in weiß gekleidete Männer in die Manege. Sie zeigen Robotertänze und Körperdrehungen auf Kopf und Händen. Die Tanzgruppe „Enemy Squad” aus Ungarn beweist bei ihren Breakdance-Einlagen hohes akrobatisches Können.

Das große Todesrad wird in die Manege gefahren. Markus Köllner vom „Duo Galaxy” setzt das Rad in Bewegung. Wie ein Hamster im Laufrad bewegt sich der Artist in seinem weißen, aufgeknöpftem Hemd während das Rad durch die Manege und bis in zehn Metern Höhe kreist. Köllner jongliert mit brennenden Fackeln, balanciert auf Stelzen und mit verbundenen Augen auf der Außenseite des metallernen Todesrads. Das Publikum ist begeistert und spendet viel Applaus.

Nach einer 15-minütigen Pause leitet die Band Farfarello mit Stargeiger Mani Neumann, den zweiten Teil der Show ein. Mit rockiger Musik und tollen Gesangseinlagen sorgt die Band die ganze Show über für die musikalische Untermalung, spielte sich schnell in die Gunst des Publikums und überbrückte die ein oder andere Länge bei Übergängen und Umbauarbeiten zwischen den einzelnen Auftritten.

Dann tritt das Comedy-Duo „Sonny und Galina” aus England mit ihrer Zaubershow auf den Plan. Die quirrlige und temperamentvolle Galina mit ihrem knallroten Haar treibt ihren Comedy-Kollegen mit Tröte und Konfetti zur Verzweiflung - zur großen Erheiterung der Zuschauer.

Seilartist in zwölf Metern Höhe

Dann steht sprichwörtlich der Höhepunkt der Show an. Der Scheinwerfer rückt jenen Freddy Nock ins rechte Licht. Der Artist aus der bekannten Schweizer Zirkusfamilie klettert auf einem Seil über die Köpfe der Zuschauer hinweg in Richtung Zeltdach. Die Zuschauer legen gebannt ihre Köpfe in den Nacken und beobachten den in zwölf Metern Höhe balancierenden Hochseilartisten, der schon in 3000 Metern Höhe auf der Zugspitze auf dem Drahtseil einer Bergbahn 995 Meter zurücklegte. So wie auf der Zugspitze ist der Artist auch diesmal ohne jede Sicherung unterwegs.

Doch damit nicht genug. Nock treibt es weiter auf die Spitze. Er schnallt sich Stelzen an die Beine und verbindet sich die Augen. Alles geht gut, alles eben nur Show - auch der vermeintliche Sturz in die Tiefe. Eine bunte Show mit Akrobatik und Artistik, die das Aachener Zirkuspublikum sichtlich begeistert.

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