Aachen: Baustellen: Beschwerdestelle rege genutzt

Aachen: Baustellen: Beschwerdestelle rege genutzt

Die Situation kennt jeder Pendler, der täglich an der gleichen Autobahnbaustelle vorbeifährt: Irgendwann sieht alles fertig aus - doch die Fahrbahnverengung bleibt.

Warum? Um in einem solchen Fall seine Frage stellen zu können, hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am 5. Oktober den Startschuss für die Aktion Baustellenmelder gegeben. Hintergrund ist, dass der Bund offenbar das Baustellenmanagement der Länder ins Visier genommen hat: „Wir wollen die Informationen der Autofahrer nutzen und uns ein Bild der Republik machen”, sagt Ingo Strater vom Bundesverkehrsministerium.

Nach einer Woche haben mehr als 200 Autofahrer „Schnarch-Baustellen” gemeldet. Mehr als ein Drittel - und damit mit Abstand die meisten - Beschwerden kommen aus NRW. Zwar hat das bevölkerungsreichste Bundesland mit 2200 Kilometern Autobahn und 4770 Kilometern Bundesstraßen ein extrem dichtes Fernstraßennetz. Bayern weist allerdings mehr Kilometer auf, hat aber erst 20 Beschwerden abbekommen.

Das könnte mehrere Gründe haben. Einer davon ist möglicherweise, dass die NRW-Fahrer gewohnt sind, ihre Fragen an die Verantwortlichen zu stellen. „Bei uns gibt es schon seit einigen Jahren ein solche Beschwerdestelle”, sagt Bernd Löchter von Straßen.NRW. Jeder Autofahrer, der sich dort meldet, kriegt eine Antwort. Zwei Mitarbeiter sind dafür abgestellt, zudem sitzt in jeder der elf Niederlassungen ein dafür Beauftragter, der bei Bedarf unterstützt. „Die Leute haben ein Recht auf Information”, sagt Löchter. Und der Bedarf ist unzweifelhaft da.

Pro Jahr gebe es 2000 Rückmeldungen zu Baustellen, sagt Löchter - meist Kritik, „aber auch schon mal ein Lob für freie Straßen nach einer Nacht voller Schnee.” Der Landesbetrieb, betont Löchter, suche den Dialog mit den Straßennutzern, weil man den Baufortschritt und den Stand jeder Baustelle als Fahrer, der vorbeirauscht, nicht immer erkennen könne. „Manchmal fehlt einfach nur die Markierung, aber es ist zu nass, um sie aufzubringen. Das erklären wir dann gern.” Auch der ADAC betont, dass nicht jede offensichtlich verwaiste Baustelle auf Schlamperei im Management verweist: „Es gibt viele technische Gründe, warum eine Baustelle unbespielt ist”, sagt Peter Meintz vom ADAC. Manchmal ginge einfach eine Firma mitten in der Bauphase pleite.

Im Baustellenmelder des Bundes sind aus NRW vor allem der Umbau des Autobahnnetzes rund um Köln, die A1 mit einem halben Dutzend Dauerbaustellen und der A 40-Umbau gemeldet worden. Nach Ländern sortiert sollen die Daten später „den Behörden zur Stellungnahme zur Verfügung gestellt werden”, sagt Strater. Man wolle die Beteiligten wachrütteln. In NRW tun das die Autofahrer seit Jahren.

Autofahrer können anrufen oder mailen

Zur Meldung von „Schnarch-Baustellen” auf Autobahnen stehen zwei Wege bereit: Per Mail an „baustellenmelder@bmvbs.bund.de” und über ein Formular auf der Ministeriumsseite http://dpaq.de/tnz2w, per Telefon beim Ministerium unter Telefon 030/18300-3060.

Alle Fragen zu Baustellen kann man beim Beschwerdemanagement von Straßen.NRW per Mail unter kontakt@strassen.nrw.de stellen.