Hückelhoven: „Ballermann“-Feier: Neonazi-Szene macht Party

Hückelhoven : „Ballermann“-Feier: Neonazi-Szene macht Party

Die von Neonazis konspirativ organisierte, jedoch offiziell durch eine Markenschutz-GmbH lizenzierte „Ballermann-Party“ hat am Samstag in einem Hückelhovener Außenbezirk stattgefunden.

Gegenüber den Betreibern der Örtlichkeit war eine private Feier im kleinen Kreis als Grund für die Anmietung angegeben worden. Ihnen kam kein Verdacht, auch die Polizei tappte lange im Dunkeln.

Vertreter aus der antifaschistischen Szene waren es, die in einer Pressemitteilung darauf hinweisen, dass die von der Partei „Die Rechte“ (DR) und der Nachfolgeorganisation der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), „Syndikat 52“ (S52), organisierte Feier im Kreis Heinsberg stattfand. Dass die Örtlichkeit etwas abseits lag und weniger Besucher als erwartet kamen, dürfte dazu beigetragen haben, dass das Treffen sonst eher unbemerkt bleiben konnte. Statt der erwarteten 100 Besucher waren offenbar weitaus weniger anwesend.

Geschlossene Gesellschaft

S52 hatte die „Ballermann-Party“ zwar offiziell beworben, dann aber zur geschlossenen Gesellschaft erklärt. Interessierte erhielten nur über eine Rufnummer und einen Messenger-Dienst Informationen. Gäste wurden zur Geheimhaltung aufgerufen. Laut der Pressemitteilung des „AK Antifa Aachen“ seien Besucher über einen „Schleusungspunkt“ in Übach-Palenberg gelotst worden. Der Ort der Party wurde geladenen Gästen nur offenbart, wenn die Neonazis die Personen kannten und als vertrauenswürdig ansahen.

Schon am 18. Oktober soll es in Hückelhoven ein Treffen von Verfassungsschützern und einem jungen Mann mit Kontakten zur Szene gegeben haben, offenbar um Hintergründe über die Party zu erhellen. Neonazis wollen das Gespräch jedoch beobachtet und fotografiert haben. Nach Recherchen unserer Zeitung publizierten sie später Fotos davon auf der Homepage des DR-Kreisverbandes. In einem entsprechenden Bericht wird der Mann nun diffamiert.

Moderner, hipper, cooler

Die Party selbst war als humorvolle Feier beworben worden. Limbo-Tanz, „Ballermannmode-Kür“ und andere Spiele stünden auf dem Programm. Die Feier werde in einen „Gute-Laune-Ausnahmezustand“ münden. Strategisch dürfte das zum Konzept passen: Neonazis präsentieren sich heute moderner, hipper und cooler, als vor einigen Jahren. Die Szene will so Jugendliche besser für sich gewinnen können.

Darauf weist auch die Münchener Aussteigerin Heidi Benneckenstein in ihrem aktuellen Buch „Ein deutsches Mädchen“ hin. Neonazis würden heute rappen, Techno-Raves besuchen und Graffiti sprühen. Junge Leute könnten sich in der Szene verlieren, „ohne dass Eltern, Lehrer oder Mitschüler etwas mitbekommen“. Auch die „Ballermann-Party“ passt in dieses Bild. Aus der Halle heraus sollen dennoch zuweilen rechte Parolen zu hören gewesen sein.

Indes ist es nicht verwunderlich, dass die Vermieter des Veranstaltungsorts sich getäuscht fühlen. Es sei nicht aufgefallen, dass Rechtsextreme sich heimlich eingemietet hätten, hieß es auf Anfrage. Die Vermieter distanzieren sich aber ausdrücklich von jeglicher Form des Rechtsextremismus.

Selbst die Polizei wusste bis Montagmorgen nicht wo die Veranstaltung stattgefunden hat, sagte Polizeisprecher Paul Kemen. Den „möglichen Ort“ habe man im Rahmen der Anfrage dieser Zeitung erfahren. Dies sei jedoch „nicht ungewöhnlich, da es sich um eine nicht in der Öffentlichkeit stattfindende Veranstaltung handelt und Räumlichkeiten privat angemietet werden.“

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