Bahnstreik in den Niederlanden: Viele Busse und Züge stehen still

Bahnstreik in den Niederlanden : Viele Busse und Züge stehen still

Die Straßen im Nachbarland Niederlande dürften am Dienstag sehr voll werden. Die Gewerkschaften haben einen ganztägigen Streik im öffentlichen Bus- und Bahnverkehr angekündigt, der Auswirkungen auch auf die grenzüberschreitenden Verbindungen haben wird.

So teilt das Verkehrsunternehmen Arriva, das in Südlimburg Busse und Bahnen betreibt, auf seiner Homepage mit, dass die Fahrten zwischen Aachen und Maastricht nur auf deutscher Seite bis zur Grenze stattfinden, auf niederländischer Seite hänge es von der Streikbereitschaft der Belegschaft ab, welche Touren stattfinden könnten oder nicht. Arriva, eine Tochter der Deutschen Bahn, fordert deshalb die Passagiere auf, die aktuelle Entwicklung auf der Internetseite zu verfolgen, weil genaue Vorhersagen nicht möglich seien – das liegt in der Natur von Arbeitskämpfen.

Da der Organisationsgrad, also die Mitgliedschaft in Gewerkschaften, der rund 10.000 Buslenker und Zugführer in den Niederlanden mit rund 80 Prozent sehr hoch ist, dürfte es zu zahlreichen Ausfällen können. Beschäftigten wird allgemein empfohlen, zu Hause zu arbeiten, falls das möglich ist. Einige Universitäten, die in dieser Woche üblicherweise Prüfungen abhalten, haben die Termine nach den Berichten niederländischer Medien wegen des Streiks verschoben.

Betroffen ist auch der grenzüberschreitende Verkehr mit Bussen und Bahnen. So teilt die Deutsche Bahn mit, dass bei der ICE-Verbindung von Frankfurt über Köln nach Amsterdam die Züge zwischen Emmerich und Amsterdam Centraal in beiden Richtungen ausfallen werden, ein Busersatzverkehr wird eingerichtet. Gleiches gilt für die ICE-Linie von Berlin über Hannover und Bad Bentheim nach Amsterdam; hier sollen zwischen Bad Bentheim und Amsterdam Central Busse in beiden Richtungen eingesetzt werden. Ob beim RE18 zwischen Aachen und Maastricht mit Beeinträchtigungen zu rechnen ist, konnte ein Bahnsprecher am Montag auf Anfrage noch nicht sagen.

Derweil rechnet der Aachener Verkehrsverbund (AVV) mit Beeinträchtigungen im Linienbusverkehr. Streikbedingt dürften wohl die Verbindungen von Herzogenrath nach Kerkrade, von Heinsberg nach Roermond und von Aachen nach Maastricht ausfallen, meint AVV-Pressesprecher Markus Vogten. Auf der Linie 44 zwischen Aachen und Heerlen verkehre die Aseag auf der deutschen Seite, die Busse führen jedoch nur bis Locht. Die Aseag-Linie von Aachen nach Vaals soll hingegen wie üblich verkehren.

Es geht um Renten, Alterung, Kaufkraft

Hintergrund der Arbeitsniederlegungen sind die im letzten Jahr gescheiterten Gespräche über eine Reform der Rentenregelungen in den Niederlanden - vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung. Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen war es nach jahrelangen Gesprächen nicht gelungen, in umstrittenen Punkten zu einem Konsens zu kommen.

Die Arbeitnehmervereinigungen fordern vor allem, dass die Renten und Pensionen an den Preisindex gebunden werden, Abschläge für die Frühverrentung gesenkt werden und das Renteneintrittsalter, das schrittweise bis 2021 auf 67 Jahre und eventuell noch weiter angehoben werden soll, nicht so stark steigt, derzeit liegt es bei 66 Jahren und vier Monaten.

Der Unmut in der Bevölkerung über den Stillstand in der Verhandlungen ist groß, weil die früher übliche Koppelung an die Inflation schon seit einigen Jahren nicht mehr vorgenommen wurde, so dass die Kaufkraft der Altersbezüge nach Berechnungen von Experten um etwa zehn Prozent gesunken ist und sogar reale Kürzungen drohen, wenn nicht bis zur Jahresmitte eine Einigung erzielt wird.

Die Tageszeitung „De Limburger“ zitiert eine Sprecherin der Gewerkschaft FNV, die für Mittwoch einen landesweiten Aktionstag ankündigt, unter anderem würden dann die Metallarbeitnehmer in den Ausstand treten.

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