Bäckereigruppe Kronenbrot stellt Insolvenzantrag

530 Mitarbeiter in Würselen : Bäckereigruppe Kronenbrot stellt Insolvenzantrag

Dramatische Nachricht für die Mitarbeiter der Firma Kronenbrot: Den Standorten in Würselen und Köln droht die Schließung, eine bessere Perspektive scheint nur der Standort Witten zu haben.

Die Bäckereigruppe hat am Mittwochmittag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Essen gestellt.

Beantragt wurde keine Sanierungsinsolvenz, vielmehr eine Planinsolvenz. Der Betrieb läuft vorerst weiter.

Kronenbrot beschäftigt aktuell rund 980 Mitarbeiter, davon jeweils rund 530 in Würselen, 300 in Köln und 150 in Witten. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte die Gruppe nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. Produziert wird für den Lebensmittelhandel, große Discounter und andere Großabnehmer wie Krankenhäuser oder auch Altenheime.

Die überraschten Mitarbeiter wurden am Mittwoch vorerst nur per Aushang oder Mail informiert. Eine Betriebsversammlung soll nun sehr zeitnah stattfinden.

Die Insolvenz sei eine Folge der „schwierigen Marktverhältnisse“ und eines „grundlegenden Wandels des Konsumentenverhaltens“, betonte das Unternehmen. Vor allem die Nachfrage nach Grau- und Vollkornbrot, den Hauptprodukten des Unternehmens, sei in den vergangenen Jahren weiter eingebrochen. Eine Marktanalyse habe inzwischen ergeben, dass Kronenbrot den notwendigen Wandel in seiner jetzigen Form aus eigener Kraft nicht mehr schaffen könne, sagt der Sprecher.

Kronenbrot hatte 2016 schon einmal einen Insolvenzantrag stellen müssen. Der ursprüngliche Plan, eine Sanierung in Eigenverwaltung zu bewältigen, war gescheitert. Es folgte ein förmliches Insolvenzverfahren und die Suche nach einem Investor. Investmentfonds unter Führung eines Londoner Vermögensverwalters übernahmen Anfang 2017 zuversichtlich das Unternehmen zu einem unbekannten Kaufpreis.

Der ebenfalls verkaufte Markenname wurde gegen eine Nutzungsgebühr weiter verwendet. „Vor allem am Stammwerk in Würselen gab es einen erheblichen Investitionsstau damals. Es hätte mehr Zeit gebraucht, um ihn abzubauen. Der Markt war einfach schneller“, sagt der Sprecher.

Als Kern für eine mögliche Neuausrichtung der Gruppe sieht die Geschäftsführung vor allem den Standort Witten, wo stark nachgefragte Produkte wie Sandwich und Toast hergestellt werden. Das Amtsgericht Essen bestellte umgehend den Rechtsanwalt Biner Bähr von der Kanzlei White&Case in Düsseldorf zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er trifft nun die Entscheidungen in dem traditionsreichen Unternehmen, das schon 1865 gegründet wurde. Schon am Mittwochabend war ein Treffen zwischen dem Insolvenzverwalter und der aktuellen Geschäftsführung geplant.

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