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Aachen: Australischer Dachdecker will für Deutschland singen

Aachen : Australischer Dachdecker will für Deutschland singen

Der Dachdecker aus „Down under” ist obenauf: Am Donnerstagabend will Brad Geiger - vor kurzem aus dem australischen Queensland ins niederländische Vaals umgesiedelt - seinen musikalischen Höhenflug fortsetzen.

Ab 22.20 Uhr singt der 25-Jährige gegen acht Mitbewerber in der ProSieben-Show „TV Total” um den Einzug in die nächste Finalrunde von „SSDSGPS”. So komplex die Abkürzung und das Auswahlverfahren, so simpel ist die Idee.

„Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star” heißt das Casting-Spiel, mit dem der moderierende Metzger Raab derzeit Millionen deutschen Hauhalten neben armen Würstchen auch appetitliche Talente mit saftigen Stimmen auftischt. Dass Brad zur zweiten Gattung gehört, versteht sich. Der Mann hat Format, Charme und ein Rockorgan mit Biss.

„Meine Freundin Tine hat mich auf das Casting aufmerksam gemacht - Wahnsinn, was aus diesem Spaß-Trip in Raabs Kölner Fernsehstudio bis jetzt geworden ist”, strahlt Brad. Rund 3000 Menschen hatten sich ursprünglich beworben. Bis zum 19. Februar wählen die Zuschauer per Telefon den Interpreten, mit dem Raab eine Single produziert.

Sollte diese Single in die Charts - also die Top100 - steigen, reist der „TV Total”-Schützling per „Wildcard” am 19. März nach Berlin zum deutschen Vorentscheid für den „Eurovision Song Contest” (ESC), der dann am 15. Mai in Istanbul über die Bühne geht. Um das Chaos der Begrifflichkeiten zu komplettieren, hat auch der deutsche Vorentscheid - der zwischenzeitlich „Countdown Grand Prix” hieß - einen neuen Namen: „Germany 12 Points!”

Dass der aktuelle Lieder-Wettbewerb nichts mehr mit „ein bisschen Frieden” des Siegel-seligen „Grand Prix dEurovision de la Chanson” zu schaffen haben will, beweist schon der Kampf der Plattenfirmen über den Musikvideo-Kanal Viva. Der Kölner Clip-Channel ist Medienpartner des deutschen Vorentscheids ESC, der wiederum vom NDR betreut wird. Teenie-Stars statt Schlager.

Der ESC-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer begründet das so: „Unsere neue Zusatzbedingung, wonach die Plattenfirmen die Viva-Video-Hürde nehmen müssen, soll gründlicher als bisher die Spreu vom Weizen trennen, damit wir uns auf möglichst professionelle deutsche Musiktitel konzentrieren können.” Will sagen: Außer dem Raab-Schützling, dem dank „TVTotal” ein paar tausend Single-Verkäufe und damit die Sonder-Qualifikation sicher sein dürfte, ist kein Newcomer bei „Germany 12 Points!” vertreten.

Es ist schon dubios: Da rappt Sabrina Setlur aus der Popstars-Jury zum Beispiel gegen die von ihr mitgecastete Boygroup „Overground”. Sogar ein Schweizer will Deutschland repräsentieren: Mädchenschwarm Patrick Nuo.

Und nun vielleicht ein Australier - Brad Geiger. „Ich habe allerdings deutsche Vorfahren”, lächelt der Fan von Soul und Rock von James Brown bis John Bon Jovi. Doch erst stehen Raabs Finalrunden an. Nach „Mustang Sally” röhrt Brad am Donnerstag die Ballade „Bed Of Roses”.

Die interpretierte der leidenschaftliche Rugby-Spieler schon auf einer kleinen Tour in Australien, als er sich nach einem Konzert in die deutsche Urlauberin Tine verliebte. 2002 war das. Sie stellte sein Leben nicht nur geographisch auf den Kopf: Von Mackay, Queensland, nach Vaals.

„Hier im Aachener Raum fühle ich mich einfach wohl. Ich mag die freundlichen Menschen, ich liebe diese wunderschöne Stadt.” Egal wie die Karriere von Brad weitergeht - Musiker aus der Grenzregion stehen in Berlin auf jeden Fall auf der Bühne: Die Band hinter den „Wonderwall”-Mädchen Ela und Kati stammt auch von hier.