Canberra/Raeren: Australien wird demnächst von einem Ostbelgier regiert

Canberra/Raeren : Australien wird demnächst von einem Ostbelgier regiert

Der aus dem ostbelgischen Raeren bei Aachen stammende australische Politiker Mathias Cormann wird in der kommenden Woche amtierender Regierungschef seines Landes. Er ersetzt Premierminister Malcolm Turnbull, der zu einem Staatsbesuch in die USA reist. Eigentlich wäre dies Aufgabe von Vize-Regierungschef Barnaby Joyce - doch der ist wegen eines Sexskandals beurlaubt.

Joyce hatte vor einigen Tagen zugegeben, ein Verhältnis mit einer ehemaligen Mitarbeiterin gehabt zu haben. Die 33-Jährige erwartet nun ein Kind vom Vizepräsidenten. Der 50-Jährige hatte sich für den Seitensprung öffentlich bei seiner Frau, seinen Kindern und seinen Wählern entschuldigt.

Der konservative Premierminister Malcolm Turnbull jedenfalls war nicht gnädig: Er beurlaubte seinen Vize umgehend und kündigte an, neue Standards für das Verhalten seines Kabinetts etablieren zu wollen. Egal ob verheiratet oder ledig - sexuelle Verhältnisse unter Kollegen sollen für Minister künftig verboten werden.

Für Mathias Cormann, der aus Raeren - die Gemeinde liegt südlich von Aachen, unmittelbar hinter der Landesgrenze - stammt, eröffnen sich durch die Angelegenheit ganz neue politische Möglichkeiten: Der Finanzminister, der auch Fraktionsführer der Liberalen im Parlament ist, rückt mit dem Ausscheiden des australischen Vizes auf den ersten Posten in „Down Under“ nach, wie belgische Medien berichten. Fünf Tage lang untersteht der gesamte fünfte Kontinent also einem Mann, der praktisch in Sichtweite des Aachener Doms aufgewachsen ist. Formelles Staatsoberhaupt bleibt freilich weiterhin die britische Königin Elisabeth II., vertreten durch den Generalgouverneur namens Peter Cosgrove.

Mathias Cormann war schon als 21-Jähriger in die Christlich Soziale Partei (CSP) eingetreten und saß für sie auch im Rat seiner Heimatgemeinde. Später wurde er Assistent des EU-Parlamentsabgeordneten Mathieu Grosch. 1996 wanderte er nach Australien aus, nachdem er dort als Austauschstudent seine heutige Ehefrau kennengelernt hatte.

Politisch fiel der heute 47-Jährige als Gegner der Ehe für Homosexuelle auf und machte sich für eine Volksabstimmung über dieses Thema anstelle einer Parlamentsentscheidung stark.

Seit 2000 besitzt er nur noch die australische Staatsbürgerschaft. Eine doppelte Staatsangehörigkeit kann für australische Spitzenpolitiker unangenehme Folgen haben. So hatte der jetzt in Ungnade gefallene Vize-Staatschef Joyce seine Regierung bereits im vergangenen Jahr in Schwierigkeiten gebracht, weil er verschwiegen hatte, dass er neben der australischen auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft besaß.

Deshalb musste er auf seinen Parlamentssitz verzichten, so dass die rechtsliberale Koalition überraschend keine Mehrheit mehr hatte. In der fälligen Nachwahl eroberte er sich den Sitz dann aber wieder zurück.

(kt/heck)
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