Ausstellung von Misereor und Bischöflicher Akademie

Kirche, Schwule, Lesben : Ausstellung von Misereor und Bischöflicher Akademie

Die katholische Kirche tut sich schwer mit Homosexualität. Aufgrund verkrusteter theologischer Auffassungen schleppt sie dieses Problem nach wie vor mit sich herum; es wird umso größer, je stärker die Gesellschaft schwule, lesbische oder bisexuelle Neigungen als normal, schützens- und liebenswert akzeptiert.

Zudem verweist die Studie über Missbrauch in der Kirche darauf, dass die überkommene katholische Sexualmoral und das Phänomen unterdrückter Sexualität von Priestern nicht zu trennen sind von den Fragen nach Ursachen des Missbrauchs.

Die katholische Kirche sieht sich mittlerweile zumindest in einem Zwiespalt zwischen ihrem überlieferten Verständnis der Schöpfungsordnung (Mann und Frau) und der Einsicht, dass sie Homosexualität nicht länger diskreditieren darf. „Die Haltung der Kirche zu diesem Thema ist noch sehr starr. Aber es darf da keine Tabus mehr geben; wir müssen jetzt endlich offen darüber sprechen“, sagt die neue Leiterin der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, Christiane Bongartz, unserer Zeitung. Markus Büker, der beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor in Aachen für Theologische Grundfragen zuständig ist, sagt: „Wir müssen weg kommen von der verkehrten Logik, wonach andere sexuelle Orientierungen nicht vorkommen dürfen.“ Den Grund dafür, dass die katholische Kirche Homosexualität ablehnt, sieht Büker in einer „falschen theologischen Interpretation der biblischen Erzählung über Sodom und Gomorra“.

Akademie und Misereor haben eine Ausstellung nach Aachen geholt, die am morgigen Sonntag im Akademiehaus (Leonhardstraße 18-20) eröffnet wird. Sie dokumentiert Diskriminierung und Kriminalisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Menschen ohne eindeutiges Geschlecht in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie in Russland, Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung kaum vorstellbare Gewalt, Schikanen und andauernde Erniedrigungen erleiden. In den dargestellten Schicksalen erweist sich die Kirche allzu oft als diejenige, die sogar zu Hass und Verfolgung aufruft.

Es sind Zeugnisse einer erbärmlichen Kirche ohne Nächstenliebe und Mitleid. Die Diskussion hierzulande dreht sich um eine ganz andere Form der Diskriminierung, die von vielen Betroffenen dennoch als brutal empfunden wird.

Die Bischöfliche Akademie und Misereor gehen mit der Ausstellung also einen Umweg, wenn sie das Verhältnis der deutschen katholischen Kirche zur Homosexualität zur Sprache bringen wollen. Das Thema wird in der Kirche jedenfalls als hochbrisant empfunden. Insofern könnte es spannend werden bei der Ausstellungseröffnung, die morgen zwischen 16 und 19 Uhr Interessierten offen steht. Der Eintritt ist frei.