Aachen/Kohlscheid: Aussem bei „time 2 talk”: „Der 12. Mann muss an Bord sein!”

Aachen/Kohlscheid: Aussem bei „time 2 talk”: „Der 12. Mann muss an Bord sein!”

Die Runde im Kohlscheider Sportpark war richtig gut drauf. Bin ich im falschen Film, wird sich da der Alemannia-Fan angesichts der Tabellenlage des Noch-Zweitligisten - 18. Platz, noch drei Spiele - fragen.

Doch auch die bei der „Nachrichten”-Runde „time 2 talk” anwesenden etwa 300 Fans zeigten gegenüber den Gästen an diesem Abend eine positive Grundstimmung, was heißt: Tief in den Herzen keimt noch kräftig die Hoffnung auf den Klassenerhalt für die Alemannia bis zum 6. Mai, oder zumindest auf einen Relegationsplatz.

Natürlich hatten die „Nachrichten” den Shootingstar der neuen Aussem-Ära mit an Bord. Der von Dortmund ausgeliehene Stürmer Marco Stiepermann war unter Friedhelm Funkel absolut in der Versenkung verschwunden. Der junge Spieler (22) zeigte sich im Interview mit den Moderatoren Achim Kaiser und Bernd Büttgens als grundehrliche Haut und bekannte: „Das war eine hartes Jahr für mich.”

Er habe sich im Training immer mit Leistung angeboten, erklärte er den Fans. Doch Funkel „hat auf Routine” gesetzt, erkannte der junge Stürmer. „Haben Sie denn mal versucht, mit dem Trainer zu sprechen? Oder hat er sie mal gefragt, was ist?” wollte Büttgens wissen. Stiepermann schüttelte nur den Kopf, was eindringlich klar machte, dass es unter Funkel anscheinend keine Gesprächskultur in der Mannschaft gab.

„Was macht der neue Trainer”, es ist wieder U-23-Coach Ralf Aussem, „denn jetzt anderes”, wollte Achim Kaiser wissen. Eben dies: Mehr Gespräche und mehr Motivation sei das, lobte Stiepermann. Und jeder gebe jetzt eben „mehr als 100 Prozent”, was natürlich rechnerisch gar nicht geht. Stiepermann offenbarte ein wichtiges Detail, eigentlich eine Selbstverständlichkeit: „Es wird zwei Mal am Tag trainiert”. Was anscheinend bislang nicht Usus war. Offensichtlich ist mit der Entlassung Funkels tatsächlich ein Ruck durch die Alemannia gegangen.

„Mit kleinen Zielen arbeiten”, beschrieb der Stürmer die neue Erfolgstaktik und nahm sich dann direkt Großes vor: „Egal wie und mit wem Eintracht Frankfurt spielt, wir müssen gewinnen.” Das Kommando-Unternehmen Sieg über den wahrscheinlichen Bundesliga-Aufsteiger aus Hessen mochte Chef-Trainer Ralf Aussem nicht blanko unterschreiben. Doch auch er forderte: „Jeder weiß, worum es geht. Wir müssen gegen Frankfurt punkten. Am besten werden es drei.” Er werde sich mit der Mannschaft „einen Schlachtplan” für das Heimspiel am kommenden Montag zurechtlegen und forderte die Fans auf: „Wir brauchen den 12. Mann! Der muss mit an Bord sein, dann haben wir eine Riesenchance!”

Der Coach punktete beim Publikum direkt mit Sätzen wie „alle haben gesehen, dass es mit diesem Fußball am Tivoli nicht weitergehen” konnte. Deshalb habe er „schnelle Leute” gebracht und andere Leute, die die Schnellen bedienen können. Das war dann die Stunde für Odonkor, Hadouir und eben Stiepermann. Auch ein junger Sascha Marquet sei ein Treffer gewesen, aus der Not geboren, um die Mannschaft durch das Fehlen von Uludag nicht völlig umkrempeln zu müssen. „Wenn wir unsere Spiele gewinnen, werden wir durch sein”, prophezeite Aussem.

Das hofft inständig auch Alemannia-Präsident Meino Heyen. Der Aachener Erfolgsmanager (Aixtron) hatte die Talk-Runde mit Sätzen belebt wie „wir glauben daran, dass es noch reicht am Ende des Tages”. Als verantwortungsbewusster Geschäftsmann erinnert Heyen an die Jobs in der Geschäftsstelle, die schicksalhaft von den Beinen der Profi-Kicker abhängend.

Denn die Etats für die dritte Liga, das weiß jeder, sind zwar zur Lizenzierung bei der DFL eingereicht, haben aber zweifellos herbe Konsequenzen für das Gesamtbudget. Den Trainerwechsel wertete Heyen als absolut notwendig: „Von Funkel sprang kein Funken mehr auf die Mannschaft über.” Punkt.