Aachen: Ausbrecher-Prozess: Schülerin steht als Geisel Todesängste aus

Aachen: Ausbrecher-Prozess: Schülerin steht als Geisel Todesängste aus

Vor dem Aachener Landgericht hat am Donnerstag eine 19-jährige Schülerin als Zeugin im Prozess gegen die beiden Gefängnisausbrecher Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff ausgesagt.

Die junge Frau war von den beiden Schwerverbrechern am Tag nach der Flucht aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen auf dem Parkplatz ihrer Schule in Köln gezwungen worden, mit ihnen im Auto ins Ruhrgebiet zu fahren. Die Geisel erklärte vor Gericht, sie habe Todesangst gehabt, sei von den Ausbrechern allerdings auch „nett” behandelt worden.

Die 19-Jährige gab an, sie habe nach dem Unterricht im Auto gesessen, um ihrem Freund eine SMS zu schreiben. Plötzlich habe Michalski an der verschlossenen Beifahrertür gestanden und eine Waffe auf sie gerichtet. Sie habe daraufhin die Türen geöffnet. Anschließend habe sie sich nach hinten setzen und mit den Männern bis nach Essen fahren müssen. „Sie haben sich bei mir als Paul und Blacky vorgestellt”, berichtete die Schülerin, die nach eigenen Angaben anfangs immer wieder in Tränen ausgebrochen war.

„Ich hatte Todesangst, habe aber auch versucht, einen klaren Kopf zu bewahren”, sagte die 19-Jährige. Vor allem Heckhoff habe beruhigend auf sie eingewirkt und ihr erklärt, sie brauche keine Angst zu haben, es werde ihr nichts passieren. Michalski habe am Steuer gesessen. „Er hatte Probleme beim Autofahren, weil er so lange nicht mehr gefahren war”, erzählte die Schülerin. Auf der Autobahn beispielsweise sei er immer nur im vierten Gang gefahren. In Essen seien beide Männer ausgestiegen, hätten ihr die Hand gegeben, sich entschuldigt und ihr alles Gute gewünscht.

Obwohl sie die Geiselnahme unversehrt überstand, befindet sich die junge Frau in psychologischer Behandlung. Ihren Wagen habe sie verkauft. Beide Angeklagte entschuldigten sich nach der Aussage noch einmal bei der 19-Jährigen. Der Anwalt von Heckhoff erklärte, sein Mandant würde am liebsten vor Scham im Boden versinken. Michalski hatte bereits vor dem Prozess in einem persönlichen Brief bei der jungen Frau um Verzeihung gebeten. Michalski und Heckhoff waren im November 2009 aus der JVA Aachen getürmt. Auf ihrer Flucht hatten sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln genommen.

Heckhoff war am vierten Tag der Flucht in Mülheim an der Ruhr gefasst worden, sein Komplize Michalski zwei Tage später auf einem Fahrrad in Schermbeck am Niederrhein. Vor Gericht müssen sich die beiden Schwerverbrecher nun wegen Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme verantworten. Ein JVA-Bediensteter sitzt wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit auf der Anklagebank. 17 Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden.