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Ausbau der Bahnstrecke Aachen - Köln gefährdet

Ausbau der Bahnstrecke Aachen - Köln gefährdet

Berlin (dpa) - Der Ausbau zahlreicher Fernstrecken der Bahn ist wegen der anhaltenden Unklarheit über Kürzungen der Gelder aus der Bundeskasse gefährdet.

Die Deutsche Bahn prüft unter anderem einen Verzicht auf die rund fünf Milliarden Euro teure ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt, wie die „Süddeutsche Zeitung” berichtete. Bundesweit stünden mehr als ein Dutzend größerer Projekte in Frage oder könnten verschoben werden.

Ein Bahnsprecher bestätigte, dass sich der bundeseigene Konzern in diesem Jahr auf erheblich reduzierte Mittel einstelle. Welche Bauprojekte davon betroffen sein könnten, sei aber derzeit Spekulation.

Der Vorstand hatte zum Jahreswechsel angekündigt, dass er für 2004 mit bis zu 1,2 Milliarden Euro weniger vom Bund kalkuliere als im vergangenen Jahr mit gut 4,4 Milliarden Euro. Als Konsequenz wurde ein weitgehender Planungs- und Vergabestopp verhängt. Auch bereits begonnene Bauvorhaben stehen nun auf dem Prüfstand.

Die Bahn wolle möglichst schnell Planungssicherheit bekommen, sagte der Sprecher. Sobald Klarheit über die Mittel bestehe, könne kurzfristig eine Prioritätenliste für realisierbare Vorhaben vorgelegt werden. In welchen Etatbereichen es Kürzungen gibt, soll der Bundestag in den anstehenden Haushaltsberatungen entscheiden.

Als billigere Alternative für die Teilstrecke Nürnberg-Erfurt werde für Züge von München nach Berlin ein Umweg von Nürnberg über Würzburg und Bebra nach Fulda erwogen, berichtete die „Süddeutsche”. Hintergrund sei, dass für Nürnberg - Erfurt statt der benötigten Milliarden vorerst nur 244 Millionen Euro verfügbar seien.

Auch eine Verzögerung des Neubauabschnittes Erfurt - Gröbers sei zu erwarten, über den die ICE-Linie weiter nach Leipzig und Berlin führen solle. Probleme gebe es auch beim Aus- und Neubau der ICE-Strecke von München über Ingolstadt nach Nürnberg. Eine Verschiebung werde beim Ausbau der Strecken von Nürnberg nach Sachsen sowie Leipzig - Dresden und Karlsruhe - Basel erwogen.

Außerdem solle die Modernisierung der Strecken Köln - Aachen sowie Rostock - Stralsund teilweise entfallen.

Die Verkehrsgewerkschaft GDBA forderte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) derweil zu einer nachhaltigen Wende in der Verkehrspolitik auf. Zehn Jahre nach Beginn der Bahn-Sanierung sei das Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, noch immer nicht erreicht.

Bei einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Bahn AG an diesem Mittwoch in Berlin wird Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erwartet. Am 1. Januar 1994 waren die westdeutsche Bundesbahn und die Reichsbahn der DDR zu einer Aktiengesellschaft verschmolzen worden.