Auftragsmord von Waldfeucht: Freund des Drahtziehers ist erschüttert

Auftragsmord von Waldfeucht : Kumpel des mutmaßlichen Drahtziehers ist erschüttert

Im Prozess um den brutalen Auftragsmord im Gewerbegebiet von Waldfeucht hat das Landgericht Aachen am Freitag weitere Zeugen gehört. Der beste Freund des mutmaßlichen Drahtziehers berichtete von dessen Ankündigung, er wolle seinem Nebenbuhler „auf die Fresse hauen“ – daraus wurde ein blutiger Mord.

Im Prozess um die brutale Tat am Abend des 2. Oktober 2018 in einem Gewerbegebiet in Waldfeucht sagten am Freitag weitere Zeugen aus dem direkten Umfeld der vier Angeklagten aus. Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten an diesem späten Abend gemeinschaftlich den 22-jährigen Dominik J. in einen Hinterhalt gelockt und mit mutmaßlich 50 Messerstichen bestialisch getötet haben.

Als Drahtzieher in dieser blutigen und perfide anmutenden Tatgeschichte gilt der erst 22-jährige Marvin R., der aus rasender Eifersucht heraus seinen Nebenbuhler mit Hilfe der angeblich von ihm beauftragten und mit einem Betrag von 3000 Euro gedungenen Täter habe töten lassen. Dabei soll allerdings die aktive treibende Rolle der Pflegesohn der Familie von Marvin R., der aus Albanien stammende und erst 17-jährige Sandorino K. gespielt haben, er habe die Mittäter Saaed M.(23) und Hosein S. (27) engagiert, hieß es in der Anklage vor der 5. Große Jugendkammer des Landgerichts, in der Richter Norbert Gatzke den Vorsitz innehat.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der ersten vier Prozesstage hat Drahtzieher R. den ahnungslosen Dominik J., genannt „Dodo“, unter dem Vorwand, eine Zigarette rauchen und dabei die Situation mit der gemeinsam begehrten Natalie G. (22) klären zu wollen, in die dunkle Raiffeisenstaße in Waldfeucht gelockt, dort gemeinschaftlich zusammengeschlagen, niedergestochen und in den Kofferraum des Tat-Pkw gepackt.

Aus ihm konnte sich Dominik J. noch befreien und weglaufen, doch er wurde gestellt und niedergestochen. Kurz nach 23 Uhr fand ihn ein Anlieger, der nachts in seiner Schlosserei nach dem Rechten sehen wollte. Als weitere Helferinnen den jungen Mann umdrehten, bot sich ihnen das grausige Bild von zahllosen Messerstichen im nackten Oberköper des Jungen, der im Todeskampf sein T-Shirt umklammert hatte.

Da der als Drahtzieher geltende Marvin R. sich bislang vor Gericht nicht äußert, versucht die Kammer, sich durch Schilderungen aus dem Umfeld des Angeklagten Informationen über den Stand der Beziehungen zwischen der Ex-Freundin Natalie G. und dem Angeklagten Marvin R. sowie dem Getöteten zu bekommen. So berichtete am Freitag der ehemals „beste Freund“ des Angeklagten Marvin R., der Busfahrer Marcel T. (29), dass er das alles gar nicht habe glauben wollen, was er scheibchenweise nach der Tat hörte.

„Marvin ging bei uns ein und aus, er wohnte sogar zwei bis drei Wochen bei uns“, sagte er betroffen. Die Lage um seine große Liebe Natalie sei immer wieder Thema gewesen, die 22-jährige habe er bereits länger aus dem Umfeld der sogenannten Schrauber-Halle gekannt, in der sich die Beteiligten immer wieder trafen. Dort bastelte man an Autos, auch Natalie G. sei eine echte Autonärrin gewesen.

Zunächst habe er nicht richtig mitbekommen, dass Natalie sich nach der Trennung von Marvin Mitte 2018 Dominik zugewandt habe. In der Tat, das hatte auch Natalie G. in ihrer Aussage beschrieben, wollte das neue Paar ihre Liaison geheim halten, zog aber nichtsdestotrotz ab 1. Oktober gemeinsam in eine neue Wohnung in Waldfeucht – als Wohngemeinschaft, hieß es.

Marcel T. bekam mit, wie er im Zeugenstand beschrieb, dass sein Freund unsäglich unter der Trennung litt. „Natalie hat mich immer wieder gebeten, ihm klarzumachen, dass dies unumstößlich sei“, berichtete der Zeuge. Denn Marvin R. machte sich noch immer Hoffnungen. Daraus scheint dann urplötzlich ein Mordplan geworden zu sein.

„Noch vor und während der Trauerfeier am 4. Oktober an der Tatstelle“, beschrieb der Zeuge seine Verzweiflung, „habe ich Marvin gefragt, ob er irgendetwas damit zutun habe“, berichtete er über die Zeit, als noch keiner der mutmaßlichen Täter festgenommen war. Er sei doch kein Mörder, habe er das weit von sich gewiesen. Sicherlich habe sein Freund zwischenzeitlich immer mal wieder verlauten lassen, dass er seinem Nebenbuhler „gerne ein paar auf die Fresse hauen“ wolle. Aber solch ein Mord? Das habe er niemals von dem Menschen glauben wollen, den er als guten und umgänglichen Freund kannte, mit der Verhaftung das alles zusammengebrochen.

Auch eine weitere Zeugin, die ehemalige Freundin des Mitangeklagten Saaed M., beschrieb die brodelnde Gerüchteküche rund um Waldfeucht und Heinsberg, auch sie habe das alles nicht wahrhaben wollen. Nach der Tat sei ihr Freund noch nach Mitternacht in die Disco gekommen, nichts habe sie bemerkt, nur dass er viel getrunken habe.

Der Prozess wird am 16. August am Landgericht Aachen fortgesetzt.

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