Köln: Astronaut Alexander Gerst bringt einen Stein zurück

Köln : Astronaut Alexander Gerst bringt einen Stein zurück

Er hat 2566 Mal die Erde umrundet und dabei 110 Millionen Kilometer zurückgelegt. Seit Mittwoch ist er offiziell wieder zu Hause: ein Stein des Kölner Doms. Er reiste gemeinsam mit einer Flagge der Stadt und mit Astronaut Alexander Gerst ins All.

Am Mittwoch gab Gerst ihn zurück an den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters. Durch den Stein ein Stück von seiner Wahlheimat Köln mitzunehmen, sei für ihn ein tolles Zeichen gewesen, sagt Gerst. Nun sei es wichtig, dass er an seinen alten Platz zurückkomme.

Gerst, der am 28. Mai 2014 ins All aufgebrochen war, ist ein Glücksfall für die deutsche Raumfahrt. Seit über vier Monaten ist Gerst wieder zurück auf der Erde. Aber selbst, wenn der Mann nur einen Stein zurückgibt, sind noch alle Medien da, Blitzlichtgewitter inklusive. „Gerst ist überzeugt von dem, was er da tut“, sagt Johannes Weppler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Er hat an einem Traum gearbeitet und ihn sich erfüllt.“

Das sagt auch Gerst zu rund 300 Schülern, die ins historische Rathaus gekommen sind, um den As­tronauten und die Steinübergabe zu sehen. Er klatscht sie ab, beantwortet Fragen, macht Selfies. Gerst scheint das Interesse der Schüler zu genießen und gibt ihnen auch gleich seine Botschaft mit: „Ihr bestimmt, was mit unserer Erde in Zukunft passiert.“ Sie sei zerbrechlich. „Unsere Erdatmosphäre ist alles, was wir haben, das uns schützt.“ Sie und die Umwelt gelte es zu bewahren. Aus dem All würden Dimensionen der Umweltzerstörung erst sichtbar. Für Gerst beeindruckend: das Ausmaß der Waldrodung am Amazonas.

Gerst mahnt, er ermutigt aber auch. Gerade Jugendliche, sagt er, sollten an ihre Träume glauben. Und einen großen Wunsch hat er noch dazu: mehr weibliche Astronauten-Anwärterinnen. Denn gerade junge Frauen fehlten in der Raumfahrt. Auch Johannes Weppler vom DLR weiß, wie wichtig Nachwuchs gerade für die europäische Raumfahrt ist. „In den USA oder Russland ist das Thema viel präsenter. Jemanden wie Gerst zu haben, ist ein Gewinn.“

Gerst gibt sich bescheiden. Er selbst sei am meisten überrascht von dem, was passiert sei. Er dachte nicht, dass er beim Astronautencasting 2008 ausgewählt werden würde. „Da waren viele andere Bewerber. Es gehört viel Glück dazu.“

Und wer ausgewählt wird, macht für die Wissenschaft einiges mit. Für Experimente nahm Gerst sich im All Blut ab, trainierte mit 90 Kilo-Gewichten auf dem Laufband und baute Experimente auf. Und auch unangenehme Aufgaben gehörten zu seiner Arbeit, wie zum Beispiel die Reinigung der ISS-Toilette. Besonders viel Spaß hatte Gerst beim Improvisieren. Beim Zusammenbauen eines elektromagnetischen Leviatators, mit dem Metallproben untersucht werden, brach ein Bolzen ab und klemmte, sodass man ihn nicht entfernen konnte. Auch absägen kam nicht in Frage, da die Späne in der Schwerelosigkeit für ISS und Besatzung zur Gefahr werden könnten. Gerst löste das Problem schließlich mit Rasierschaum, den er auf dem Sägeblatt verteilte. Der fing die Sägespäne auf und der Bolzen konnte glatt abgesägt werden. „Das war ein bisschen wie bei „McGyver“. Das war sicher einer meiner besten Tage im All“, sagt Gerst.

Auch bei der Aufbewahrung des Domsteins hat sich Gerst etwas einfallen lassen: Die Zeit auf der ISS verbrachte er in einem fest verschlossenen Plastikbeutel, den Gerst per Klettverschluss in seiner telefonzellengroßen Schlafkoje befestigt hatte. Bald wird der Dom-stein wieder dort angebracht, wo er hingehört. Er ist dann womöglich der am weitesten gereiste Stein der Welt. „Ich hatte schon ein wenig Angst, das Stückchen Dom zu verlieren. Aber ich habe gut aufgepasst.“ Nur manchmal, da ließ er ihn in der Schwerelosigkeit vor sich kreiseln. Welcher Stein kann das schon von sich behaupten?